10/04/2013

Nachhaltigkeit in der Textilindustrie: Bahnbrechende Entwicklungen an vielen Fronten

Marci Zaroff

Marci Zaroff

Marci Zaroff, Eco Fashion Pionier in den USA, spricht im Kurz-Interview über ihre persönliche grüne Revolution der Textilindustrie, über bahnbrechende Entwicklungen wie den Higgs Index und über die bevorstehenden Schritte der Modebranche, die auch für die Wohntextilindustrie von großem Interesse sind.

In einem Interview haben Sie einmal gesagt, Sie engagieren sich, um die Textilindustrie zu revolutionieren. Wie geht die Revolution voran?
Mein Einsatz, die Mode- und Textilindustrie zu „revolutionieren“ ist ein langer, aber auch spannender Weg. Jeder Schritt wurde durch das Engagement von Einzelpersonen vorangetrieben, die innerhalb der Lieferkette arbeiten – vom Anbau bis zur fertigen Mode. Inzwischen fügen sich diese Einzelbemühungen zu einem gigantischen Gesamtbild. Aber für viele Jahre erforderte jedes Mosaiksteinchen großes Engagement und beharrliche Pionierarbeit. Nun sind feste Zertifizierungsstandards eingeführt; innovative Faser- und Herstellungstechnologien reduzieren Abfall und den Aufwand an Chemie, Wasser- und Energieverbrauch sind in Arbeit. Auch die Designer sind stärker im Bereich Öko-Mode engagiert als je zuvor, vor allem die neue Generation. Handelsvereinigungen, wie Textile Exchange und Ethical Fashion Forum, schließen sich zusammen, um ihre kollektive Stimme laut werden zu lassen und ihr zum Durchbruch zu verhelfen. Und letztendlich verlangen die Verbraucher Authentizität, Transparenz und Qualität in den Produkten, die sie auswählen und in den Marken und Händlern, die sie unterstützen.

Was sind für Sie die einflussreichsten und interessantesten Projekte und Entwicklungen im Öko-Mode-Bereich zurzeit?
Es gibt bahnbrechende Entwicklungen an vielen Fronten. Der GOTS und der neue Higgs Index bahnen den Weg für Umweltabkommen und deren Compliance Kennzahlen. Die Sustainable Apparel Coalition repräsentiert nun über 60 führende Bekleidungs- und Schuh-Marken, Händler, Ausrüster, Non-profit- und Non-govermental-Organisationen, die daran arbeiten, die globalen Auswirkungen auf Umwelt und Menschen zu reduzieren. Ethical Fashionistas erkennen die Notwendigkeit, die Existenzgrundlage von Farmern und Arbeitern anzusprechen, einschließlich der Fair Trade USA’s 1st Fair Trade Textile Certification, die ich mitbegründet habe.

Innovative, umweltfreundliche Fasern, Stoffe und Herstellungsmethoden – von RPET und Tencel/ECOlyptus bis hin zur wasserfreien und auf Seealgen basierenden Färbung – gewinnen an Dynamik; neuen Fasern, wie Spinnenseide und Crailar, wird mehr Aufmerksamkeit geschenkt; die “grünen” Shows engagieren große etablierte und aufkommende Designer auf den Laufstegen der Fashion Week und Source4Style ist eine Direktbezugsquelle für nachhaltige Textilien geworden. Suzi Cameron von “Red Carpet, Green Dress” und Livia Firth von “Green Carpet Challenge” haben inspirierende und einflussreiche Wettbewerbe gestartet, um führende Stars für die Oscar-Verleihung in ökologischer Mode einzukleiden.

Zum Abschluss noch ein Punkt: Gemeinsam mit einem A-Listen-Team, produziere ich eine Dokumentation, deren Titel „Bedrohung“ („Thread“) sein wird. Diese Dokumentation wird die Auswirkungen der Mode-Industrie auf Mensch und Umwelt enthüllen, während sie gleichzeitig aufregende neue Lösungen und das weltweite Engagement beleuchtet.

Was sind Ihre Lieblings-Eco-Fashion-Marken?
Natürlich bin ich befangen und habe eine Vorliebe für Under the Canopy und Fashion-Art-Soul-Earth (FASE), die ECOfashion-Lifestyle-Marken, die ich gegründet habe. Loomstate, Kuyichi, People Tree, Linda Loudermilk, Deborah Lindquist, Alabama Chanin, Stewart & Brown und Edun sind gleichfalls gut angesehene Öko-Mode-Marken. Stella McCartneys neue Kollektion ist ebenfalls wunderbar und ökologisch chic. Einige der talentierten aufstrebenden Designer der ECO-Fashion sind für mich zudem Tara St James, Lara Miller, Carrie Parry & Marcia Patmos. Und auch Händler und Marken wie H&M und Eileen Fisher haben einen aufregenden Vorstoß mit ihren nachhaltigen Mode-Kollektionen gemacht.

Was sind die nächsten Schritte, die die konventionelle Industrie machen sollte, um einen Wandel einzuleiten. Kleine Schritte – große Wirkung. Haben Sie Beispiele oder Ratschläge für die konventionelle Industrie?
Wie Lao Tse sagt “Eine Reise von 1000 Meilen beginnt mit einem ersten Schritt” und jeder Schritt in die richtige Richtung ist ein Schritt vorwärts für die Mode, wenn man bedenkt, wie giftig die Industrie ist. Dazu müssen konventionelle Marken und Designer auf jeder Stufe der Lieferkette umdenken. Das heißt, zum ersten muss das Design „reversible, wearable & accesible“ sein, zum zweiten müssen sie schauen, wie sie bessere Qualität herstellen statt billigere und schnellere Möglichkeiten der Produktion zu suchen. Zum dritten müssen sie Materialien und Stoffe beziehen, die wirklich nachhaltig produziert sind. Also zertifizierte Bio-Baumwolle oder Wolle statt konventioneller, recyceltes statt konventionelles Polyester, Tencel bzw. ECOlyptus statt Bambus oder Rayon. Und zum Schluss müssen sie ihre Produktionspartner fragen, ob es nicht umweltschonendere Möglichkeiten der Produktion gibt, um Wasser, Abfall, Energie und Chemikalien zu reduzieren, wie leichtere Färbungen und formaldehydfreie Appreturen.

Wenn man bedenkt, dass die weltweite Mode-Industrie jährlich mehr als 10 Prozent des Gesamt-CO2-Ausstoßes verursacht, über 11 Billionen Liter frisches Wasser verbraucht sowie über eine Million Tonnen Abfall produziert und damit einer der Hauptgründe für Luft- und Wasser-Verschmutzung ist, ist jede verantwortliche Entscheidung Teil der Lösung statt des Problems. Zum Glück gibt es inzwischen die Ressourcen, Netzwerke, Informationen und Initiativen und Support-Systeme, die endlich einen positiven Wandel in der Mode-Industrie bewirken. Es geht nicht mehr darum, an der Spitze zu sein, sondern darum, nicht zurückzubleiben. Ökologische Mode ist die Zukunft der Mode.

Mehr zu Marci Zaroff unter: www.marcizaroff.com

Jana Kern

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