Seit 40 Jahren zu Gast auf der Heimtextill: Bobi Engström, Finnland

Bobi Engström: seit 40 Jahren zu Gast auf der Heimtextil Frankfurt

Bobi Engström: seit 40 Jahren zu Gast auf der Heimtextil Frankfurt

Bobi Engström von B. Engström Textile Agency in Finnland wird auf der kommenden Heimtexil sein 40jähriges Messejubiläum feiern. Wir gratulieren und sagen „Danke, Bobi Engström”! Das Heimtexil-Team möchte diese besondere Gelegenheit nutzen, um einige Gedanken mit Bobi Engström auszutauschen, der sich freundlicherweise für ein Interview mit uns bereit erklärte. Damit gewährt er einen interessanten Einblick in seine Arbeit und seine Erfahrungen gleichermaßen.

Herr Engström, Sie haben viele Trends in der Textilindustrie kommen und gehen sehen. Was ist Ihr Eindruck: gibt es einen Rhythmus der Trends? Konnten Sie so etwas wie einen Kreis der Wiederholung oder Renaissancen feststellen?

Trends kommen und gehen. Aber jedes Mal, wenn etwas zurückkehrt, tut es das in leicht veränderter Form. Oftmals erkennt man Designs wieder, die einige Jahre alt sind – aber dann sind die Farben vielleicht verändert, frischer. Vintage ist immer Teil der Trends, aber in manchen Jahren wird es selbst zum Hauptthema. Einen bestimmten Rhythmus der Trend-Zyklen auf der Heimtextil zu erkennen, ist nicht leicht. Ganz sicher aber werden wir die Trends von heute in einigen Jahren wiederfinden. Es ist wie in der Musik: Die Oldies tauchen in den aktuellen Hits wieder auf, weil die neue Generation der Musiker sie in eigene Songs einarbeitet.

Ich bewundere vor allem jene Unternehmen, deren Designs zu Evergreens geworden sind. Ein schönes Beispiel hierfür ist „Unikko“ (Mohnblüte). Dieses Design wird von Marimekko weltweit mit großem Erfolg verkauft. Dieses Muster wird im nächsten Jahr 50 Jahre alt. Es hat sich von einem Stoffdruck aus dem Jahre 1964 zu einem Allround-Muster entwickelt und findet sich auf einer Menge von Anwendungen wieder. Auch auf Bettwäsche und Frottier-Handtüchern. Dieses Muster war nie unmodern und der Erfolg geht weiter!

Eine andere großartige finnische Marke ist „Vallila“, von Oy Vallila Interior Ab in Helsinki. Sie mixen alte Muster aus den Siebzigern mit sehr exklusiven und aktuellen Designs und ernten dafür immer mehr internationale Anerkennung!

Was ist für Sie die Definition von „modern“ in Bezug auf die Heimtextilien?

Modern kurz gefasst: Ein Produkt, ein Muster oder eine Farbe, das die Zeit richtig interpretiert.

Sie hatten offensichtlich immer den richtigen Riecher, was den skandinavischen „Geschmack“ betrifft, wenn man das so allgemein formulieren kann. Könnten Sie das für uns kommentieren?

Als Vertriebsmensch muss ich zwischen meinem persönlichen Geschmack und dem „kommerziellen“ Geschmack – also was brauchen die Kunden für ihre Kollektionen –unterscheiden. Wobei ich sagen kann, dass die gut verkäuflichen Produkte am Ende auch immer die in meinen Augen schönsten waren! Natürlich verkauft sich ein Produkt leichter, wenn man sich damit identifizieren kann. Heute bin ich der Meinung, dass wir mehr und mehr finnische oder skandinavische Designer präsentieren sollten.

Auf der Heimtextil besuchen wir auch die Design Halle und suchen bei internationalen Design Studios Muster aus, die wir als passend für unseren Markt erachten.

Heutzutage liefern die Kunden auch eigene Designs, um ihre unverwechselbare Handschrift in die Kollektionen einzubringen. In diesem Fall ist es meine Aufgabe, die besten Lösungen in Bezug auf die Wahl des Lieferanten zu empfehlen und sicherzustellen, dass die Kunden das bekommen, was sie sich wünschen.

Was bedeutet die Heimtextil für Sie persönlich und für Sie als Geschäftsmann?

Auf der Heimtextil kann ich mir ein Bild davon machen, was in der textilen Welt vor sich geht. Es ist wichtig, dass wir das mit eigenen Augen erfahren und persönlich erleben. Ganz auffällig in diesem Zusammenhang war für mich die Erkenntnis, dass die Textilproduktion mehr und mehr von Europa nach Asien gewandert ist. Das kann man mit einem gewissen zeitlichen Abstand besser erkennen – so etwa im Rhythmus von fünf oder 10 Jahren. Jedenfalls war meine erste Heimtextil vor 40 Jahren eine komplett andere Veranstaltung als heute. Alles ist größer geworden und auch effizienter – und die Anzahl asiatischer Aussteller ist explodiert.

Wenn Sie mich ganz persönlich fragen, so bin ich sehr glücklich darüber, dass eine große Zahl portugiesischer Produzenten noch immer da sind und ganz augenscheinlich ihre Position im internationalen Wettbewerb stärken konnten und es weiterhin tun.

Es besteht kein Zweifel daran, dass die Heimtextil die Nummer eins der Messen für Heimtextilien ist. In dieser gesamten Zeit von 40 Jahren war der Messetermin immer der gleiche, was die Show zu einem Fixpunkt macht. Die Messe ist ein guter Start in das jeweilige Geschäftsjahr. In meinen Augen hat sich die Heimtextil zu einer erstklassigen Präsentation entwickelt, wo Kunden Information, Inspiration und eine gute Vorauswahl von Produkten bekommen.

Als Branchentreff ist die Heimtextil ebenfalls unübertroffen. Es ist ein Vergnügen, Kunden und Lieferanten in dieser gut organisierten und entspannten Atmosphäre zu treffen. Am Abend bieten sich erstklassige Gelegenheiten, den Kontakt zu den Kunden bei einem Abendessen zu gestalten. Es ist besonders schön, immer wieder die guten Frankfurter Restaurants zu besuchen, wo ich die Aufmerksamkeit der Servicekräfte und exzellentes Essen genieße.

Was haben Sie sich für die Heimtextil 2014 vorgenommen? Halten Sie Ausschau nach etwas Besonderem?

Das Jahr 2013 hat viele Veränderungen für mein Unternehmen mit sich gebracht. Deshalb freue ich mich sehr, meine neuen Vertriebsmitarbeiter auf der Messe vorzustellen. Am Vortag der Messe werden wir unsere Lieferanten treffen und unsere Termine für die gesamte Messe planen.

Wir werden die Gelegenheit nutzen, um mit all unseren Lieferanten über die Marktsituation zu sprechen und die nächsten strategischen Schritte festlegen. Denn – auch wenn wir gerade aus einer nicht ganz leichten Phase kommen, möchten wir den Umsatz unserer Kunden im skandinavischen Markt weiter stärken.

Bisher habe ich auf jeder Heimtextil neue, wichtige Geschäftskontakte geknüpft. Ich bin sicher, das wird auch auf der Heimtextil 2014 so sein. Natürlich freue ich mich darauf, auch meine alten guten Bekannten zu treffen – das ist das i-Tüpfelchen meines Messebesuches!

Herzlichen Dank, Herr Engström,für dieses Gespräch!

Hintergrund B. Engström Textile Agency Oy Ab:

In den ersten acht Jahren seiner Heimtextil Besuche repräsentierte Bobi Engström den finnischen Heimtextil-Produzenten, Oy Finlayson Ab. Seit 32 Jahren – inklusive der Heimtextil 2014 – agiert Bobi Engström für sein eigenes Unternehmen: B. Engström Textile Agency Oy Ab. Seit 1981 ist das Unternehmen als Import-Agentur für führende Hersteller aus Portugal, Pakistan, China, Indien und Ägypten tätig. Deshalb ist Bobi Engström mit seinem Team auf der gesamten Messe unterwegs. Um den Service für seine Kunden zu stärken, übernimmt die B. Engström Textile Agency Oy Ab den Import und verkauft die Produkte unter eigenem Namen.

Persönlicher Hintergrund Bobi Engström:

Voller Name: Jarl Robert Markus Engström – geboren am 9.9.1949 in Turku (Åbo). Seit meiner Kindheit trage ich den Spitznamen „Bobi“, den ich auch in meinem Geschäftsleben beibehalten habe, denn „Jarl“ war für viele Finnen nur schwer auszusprechen. Nach einem Hochschulabschluss in Wirtschaftswissenschaften in meiner Heimatstadt Turku, zog ich 1973 mit meiner zukünftigen Frau nach Forssa, wo es seinerzeit eine florierende Textilindustrie gab. Nach acht Jahren bei Oy Finlayson AB, gründete ich im Jahre 1981 mein eigenes Unternehmen in Helsinki zusammen mit schwedischen und dänischen Partnern. Zehn Jahre später übernahm ich die Anteile am Unternehmen zu 100%.

Meine Frau Agneta und ich sind nun seit 40 Jahren verheiratet, haben fünf Söhne und fünf zauberhafte Enkelkinder. Meine Frau und zwei Söhne arbeiten Vollzeit im Unternehmen und die anderen drei sind mehr im Hintergrund tätig. Ich denke nicht besonders häufig über den Ruhestand nach – sondern schaue eher nach vorne, um das Unternehmen weiterzuentwickeln um es für die folgende Generation attraktiv zu gestalten. So können sie es eines Tages in einer hoffentlich noch fernen Zukunft übernehmen.

Interview: Kerstin Böhning

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