Angesagt am Fenster: Traditionals und Prints

Gut gegen Herbst- und Winterblues machen sich die aktuellen Deko-Kollektionen. Keine Spur von Zurückhaltung: Die Stoffe schwelgen in Formen und auch wieder in Farben, denn mit dem starken Thema Druck findet die Farbe ihren Weg zurück ins textile Interieur. Und wenn es uni bleibt, wird raffiniert mit Strukturen, Oberflächen und Effekten gespielt. Jetzt müssen die neuen Stoffe noch beim Verbraucher ankommen – dafür sucht die Branche nach probaten Wegen.

Die Flora gibt Stoff – auch in der dunklen Jahreszeit. Während sich draußen die Natur in die Winterruhe verabschiedet, blüht und wuchert es innen umso üppiger auf den neuen Stoffen. Mit englischen Rosen, Glockenblumen, Pfingstrosen und Hortensien inszeniert Apelt sinnliche Gartenträume. Bei Jordan schmücken konkret definierte Einzelblüten und stilisierte florale Elemente die hochwertigen Grundqualitäten. Fuggerhaus zeichnet zarte, großzügige Blütenkonturen mit leichter Hand auf Ausbrenner.

Frisch verpackt wird Tradition zum Trend: Paisleymotive und klassische Herrenstoffe wie Glencheck und Tartan zeigen sich modern interpretiert im Großformat in moderner Colorierung und versprühen einen Hauch von Extravaganz (Apelt). Drapilux entdeckt die klassische Bindung Fischgrat-Köper wieder, die ebenso geschmeidige wie strapazierfähige Stoffe ergibt.

Druck macht Druck. Prints sind im Allgemeinen gefragt, insbesondere vielfarbige Digitaldrucke. Mit dem Thema „Druck“ findet die Farbe ihren Weg zurück ins textile Interieur, beobachtet Nadine Evering-Heitbrock von Gardisette. Türkis, Himbeer, Melone, Pistazie, eigentlich typische Sommerfarben, sorgen für überraschende Momente und strahlen Lebensfreude aus – zum Beispiel bei Jordan und Saum & Viebahn. Daneben bleiben Non-Colours wichtig: Ecru, Sand, Grau, Greige, Taupe, Anthrazit, Mauve – schlicht, unaufgeregt und edel (Fuggerhaus, Unland, Kobe).

Uni ist nicht gleich uniform: Mehr Kompagnon als Kontrahent zu der Vielfalt an Drucken sind die vielen verschiedenen Uni-Optiken, -Strukturen und -Oberflächen: Crash und Plissees, Rips und Piqué, Schrumpfgarne und Rautenstepp, Wollfilz und Tweed, Strick und Netzgewebe, Cut-Outs und Ausbrenner, Jaquards und Double-Faces demonstrieren die vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten monochromer Stoffe. Wichtig bleiben plastische Stickereien (Jordan, Fuggerhaus, Sonnhaus). Ein Comeback feiert Samt, der weich und anschmiegsam fällt – übrigens nicht nur uni, sondern auch bedruckt. Einen Hauch von Luxus bringen Leder und Pelz ins Spiel – natürlich naturbewusst nicht von echten Tieren, sondern täuschend originalgetreu imitiert aus hochwertigen High Tech-Kunstfasern (Sonnhaus).

Noch nie gab es solch eine Vielfalt an Wohnstoffen – dennoch sind sie in den Köpfen noch lange nicht so präsent, wie sich die Branche wünscht. Das will die Initiative „Textile Räume“ ändern: Editeure, Stoffverlage, Großhändler und Webereien, Zulieferer und Veredler wollen mit einer professionellen Kommunikationskampagne bei Verbrauchern und Profis wieder Lust auf textiles Einrichten wecken und dadurch die Nachfrage beleben. Initiator Martin Pötz ist überzeugt, dass die Kampagne etwas bewegen kann, denn: „Die Konsumenten investieren mehr denn je ins Einrichten und renommierte Trendforscher prognostizieren einen Trend zu mehr Stoff in den eigenen vier Wänden.“

Claudia Weidt

Ein Kommentar
  1. Peer sagt:

    Das macht richtig Spaß zu lesen, denn die neuen Trends gefallen mir richtig gut. Auch wenn ich auf Leder und Pelz (auch nicht als Imitat) stehe, aber so etwas wie plastische Stickereien lassen das Herz einfach höher schlagen.

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