Der Bonner Kanzlerbungalow – ein modernes Denkmal

Musikzimmer im Empfangsbereich zur Amtszeit Erhard, Stoffe für Sofa und Sessel von ROHI

Musikzimmer im Empfangsbereich zur Amtszeit Erhard, Stoffe für Sofa und Sessel von ROHI

Seit dem Frühjahr können Besucher das ehemalige Wohn- und Empfangsgebäude besichtigen

Als Ludwig Erhard 1963 den Bau des Bonner Kanzlerbungalows in Auftrag gibt, schwebt ihm ein Ort vor, der Weltoffenheit und Demokratie verkörpert und Begegnung und Austausch ermöglicht.
Der Münchner Architekt Sep Ruf, bekannt für seinen unaufdringlichen und transparenten Stil, verwirklicht diese Vorstellung. Auch was die Inneneinrichtung anbelangt. Ruf entscheidet sich hier für eine moderne, minimalistische Einrichtung mit zeitlosen Möbeln von Herman Miller und Knoll, sowie Sep Ruf Möbel, die die 1.000 Quadratmeter Grundfläche offen und luftig wirken lässt.

 

Speisezimmer aus der Ära Kohl, Umgestaltung zum Regierungsantritt 1982

Speisezimmer aus der Ära Kohl, Umgestaltung zum Regierungsantritt 1982

Bereits im November 1964 kann Ruf den Schlüssel für die zwei miteinander verbundenen Atriumsbauten an Erhard übergeben. In den darauffolgenden 35 Jahren wohnen einige der deutschen Bundeskanzler im Privattrakt. Alle begrüßen jedoch hier im Empfangsbereich ihre Gäste: gekrönte Häupter, Regierungschefs, Oppositionsführer sowie deutsche und internationale Stars schreiten durch die großzügig angelegten repräsentativen Empfangsräume und schauen durch die großen Fensterfronten in den Park des Palais Schaumburg.

Seit dem Frühjahr 2009 kann der ehemalige Sitz des bundesdeutschen Regierungschefs im Rahmen von Führungen und öffentlichen Veranstaltungen besichtigt werden. Da Zeit und Gäste jedoch Spuren hinterlassen hatten, waren Renovierungs- und Restaurationsmaßnahmen im Vorfeld der Eröffnung unumgänglich. Was die Einrichtung anbelangt, sollte ein Teil der Ausstattung aus der letzten Nutzungsphase erhalten bleiben. Jedoch war auch die teilweise Rückführung in den Zustand der Regierungszeit Erhards ein Teil der Zielsetzung.

 

Der Kanzlerbungalow im Park des Palais Schaumburg

Der Kanzlerbungalow im Park des Palais Schaumburg

Neben den rein handwerklichen Tätigkeiten war daher eine umfangreiche Recherche nötig. Was die textilen Arbeiten anbelangt, übernahm die in Bonn ansässige Wand & Raum GmbH diese Aufgabe.

Geschäftsführer Ulrich Heesen und sein Team forschten und bauten dann Sofas nach, ließen Berber-Teppiche detailgetreu von Hand knüpfen und Leuchten authentisch nachbauen.

„In detailgetreuer Arbeit hat unser Team wichtige Bestandteile des ursprünglichen Interieurs überarbeitet, ergänzt und, wo nötig, authentisch rekonstruiert“, erklärt Heesen dazu.

Das Ergebnis kann sich offensichtlich sehen lassen, denn: „Das Interesse der Öffentlichkeit ist außerordentlich groß, am 23. Mai, dem 60. Geburtstag des Grundgesetzes, besichtigten circa 6.000 Besucher den Kanzlerbungalow“, erklärt Georg Adlbert, Geschäftsführer der Wüstenrot-Stiftung, die den Kanzlerbungalow im Jahr 2006 in ihr Denkmalprogramm für die Erhaltung und Revitalisierung hochkarätiger Bauten aufgenommen hat.

„Wir haben den Kanzlerbungalow in unser Denkmalprogramm aufgenommen, weil wir um besondere Bauten – auch der Moderne – bemüht sind“, erklärt Adlbert. „Dabei liegt der besondere Reiz des Kanzlerbungalows in seiner Doppelnatur als bau- sowie zeithistorisches Denkmal. In diesem Haus wurde fast 40 Jahre politische Geschichte geschrieben.“

Das Ende kam mit dem Fall der Mauer und dem Umzug der Regierung nach Berlin. Der letzte Kanzler, der den Bungalow bewohnte, war Helmut Kohl. Er knipste 1999 das Licht aus.

Bildquellen:
Bild 1, 2 und 3 © Wand & Raum GmbH

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