Heimtextil Blog der Messe Frankfurt

Nachhaltigkeit in der Textilindustrie ist dabei, mehr als ein Modewort zu werden. Umweltfreundliche Alternativen zu Produkten und Dienstleistungen sind sehr gefragt. Doch im Interieurbereich und darüber hinaus wird es offensichtlich, dass die Branche den Bezug zu dem Ursprung der Produkte, ihrer Produktionsweise und den Ausgangsmaterialien verloren hat. Und die Verbraucher von heute wollen Antworten.

Headerfoto: Circular Fibres von Charlotte Cazals ist Teil der Ausstellung „Remade Materials“.

Der Frage, was die Industrie der Natur entnimmt und was sie ihr zurückgibt, geht die Future Materials Library auf der Heimtextil 2020 auf den Grund. Platziert im Trend Space und kuratiert von den Heimtextil Trend Council Mitgliedern Kate Franklin und Caroline Till von FranklinTill Studios thematisiert eine Installation dies durch die Präsentation von nachhaltigen Materialinnovationen.

“Hey Jute” von Alexander Marinus ist Teil der Ausstellung “Natural Assets”. Foto: Alexandra Bertels.

„Wenn man mit einer ganzheitlichen Perspektive überlegt, woher Materialien stammen, welche Prozesse und Transformationen sie durchlaufen und wo sie nach der Gebrauchsphase landen, können wir die sozialen und ökologischen Auswirkungen unserer Produkte völlig neu gestalten“, erklärt das Duo. Die daraus entstandene Installation zeigt die Entwicklung eines jeden Samples auf: vom Rohstoff und seiner Entstehung über das Material im Herstellungsprozess bis hin zur endgültigen, verfeinerten Materialprobe und dem Verbleib nach dem Gebrauch. Basierend auf den vier Ausstellungsthemen werden in der Bibliothek bis zu 30 Materialien von Arbeiten internationaler Textilkünstler und -studios zu sehen sein.

„Remade Materials“ spielt mit dem Gedanken, ob der Abfall von heute der Rohstoff von morgen ist, während „Biological by-products“ die Frage aufwirft, ob menschlicher und tierischer Abfall als nachhaltige Ressource genutzt werden können.

„Natural assets“ findet agile und originelle Wege, um natürlich verfügbare Materialien zu nutzen und widerstandsfähige Pflanzenkulturen als Alternativen zu den derzeit verwendeten und vor dem Aussterben bedrohten Ressourcen zu finden.

„Living Materials“ untersucht unterdessen, wie wir Materialien „anbauen“ anstatt „herstellen“ können. Um völlig neue Stoffe, wie im Labor gezüchtetes Leder aus Myzelien und Bakterien, zu entwickeln, kommen dabei auch technische Innovationen zum Einsatz.

“Malai”, ein neu entwickeltes Biokompositmaterial, ist Teil der Ausstellung “Living Materials”.

Rund 10 bis 20 Prozent der gezeigten Materialien befinden sich noch in der Entwicklungsphase, doch bei 80 bis 90 Prozent handelt es sich um bereits kommerziell tragfähige Produkte. Heimtextil-Besuchern bietet die Bibliothek einen ermutigenden Ausblick, welche Materialien in nicht allzu ferner Zukunft verwendet werden können. „Wir brauchen einen besseren, intelligenten und kreislauffähigen Ansatz anstatt unserer derzeitigen „Take, Make, Discard“-Mentalität gegenüber Materialien – diese neue Zukunft scheint ganz nah zu sein“, sagt Kate.

The New Age of Trichology von Sanne Visser ist Teil der Ausstellung „Biological By-products“. Foto: Tom Mannion.
Stefan Jakob

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