Blog der Heimtextil

Wir blicken noch einmal zurück auf die Heimtextil im Januar und richten unser Augenmerk auf die Innovationen im Bereich „Textile Technologies“: Hier präsentierte das niederländische Unternehmen Neenah Coldenhove seine Version einer Weltveränderung beim digitalen Transferdruck auf Naturfasern.

In Zeiten von E-Books, Mails und Zeitungs-Apps muss sich ein 1661 gegründeter Papierhersteller etwas einfallen lassen, um nicht wie ein Blatt Papier im Wind zu enden. „Sechs unserer 144 Mitarbeiter sind ausschließlich mit Forschung befasst“, sagt Vertriebsmitarbeiter Gijsbert Harmsen. Ziel sei es, neben Papier für Briefumschläge oder Pappen für Ordner völlig neue Papieranwendungen zu entwickeln, um „in jeder ausgewählten Branche eine Führungsrolle zu übernehmen“. Im Bereich des digitalen Transferdrucks auf Heimtextilien aus Naturfasern wie Baumwolle könnte das dem innovationsfreudigen Traditionsunternehmen bald gelingen.

Fasern „gefangen“ nehmen
Zum Hintergrund: Um Handtücher, Kissen- oder Bettbezüge aus Baumwolle mit Farben und Mustern zu bedrucken, kommt zumeist der analoge Pigmentdruck zum Einsatz. Dabei werden Farbtröpfchen direkt auf das textile Trägermaterial geschossen. Zwar gilt Pigmenttinte als farbbrillant, doch Fasern sind störrisch; damit die Tinte dauerhaft auf dem Stoff bleibt, wird dieser in der Regel chemisch vorbehandelt. Das heißt: Erst durch die Beschichtung mit Bindemitteln lassen sich die Farbpigmente dauerhaft auf dem Textil fixieren. „Die Qualität der Vorbehandlung bestimmt in hohem Maße Farbechtheit und Druckergebnis“, erklärt Harmsen.

Der digitale Transferdruck hingegen nimmt Fasern auf clevere Weise „gefangen“. Hier wird zunächst ein Sublimationstransferpapier mit Tinte bedruckt, um diese anschließend regelrecht in das Textil einzudampfen. Kühlt der Stoff ab, sind die Farbpigmente in der Faser „gefangen“ – ganz ohne chemische Behandlung. Das farbbrillante Ergebnis kennt jeder von Fußballtrikots, Messewänden oder Leuchtreklamen. Bisher aber funktioniere der digitale Transferdruck ausschließlich mit Polyesterfasern, erläutert Harmsen. Kuschelige Baumwolldecken hingegen guckten bis dato in die analoge Röhre, weil es bisher niemand geschafft hat, Pigmenttinte per Transferpapier digital auf Naturfasern zu drucken. Bis jetzt.

Vergleichbar mit der Erfindung des iPad
Zwei Jahre lang hat ein Team aus Chemikern, Papiertechnikern und Druckexperten bei Neenah Coldenhove in Eerbeek getüftelt, „dann hatten wir das Unmögliche geschafft“, so Vertriebler Harmsen stolz: Ein völlig neues Pigmenttransferpapier, das digitales Drucken auch auf Baumwollfasern ermöglicht. „Das ist eine kleine Revolution“, frohlockt Harmsen. Mit dem neuartigen Papier ließen sich die Abriebfestigkeit, Farbbrillanz und Farbechtheit eines Polyesterfaser-Transferdrucks erstmals auch auf Gardinen, Zierkissen und Bettwäsche aus Baumwolle übertragen. Auf die Frage, mit welcher nicht-textilen Innovation sich die Entwicklung vergleichen lasse, erwidert Harmsen nach kurzem Überlegen: „Mit der Erfindung des iPad.“

Ronny Eckert

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