Es werde (schönes!) Licht

Designer Bernd Beisse spricht über Beleuchtung und Wohlbefinden

Designer Bernd Beisse spricht über Beleuchtung und Wohlbefinden

Bernd Beisse war bereits zehn Jahre als Designer von Leuchten tätig, als ein Kunde ihn fragte: „Wie geht eigentlich schönes Licht?“ Unbefriedigt von seiner eigenen Antwort, in der er von Ästhetik, Funktion und Technik sprach, begann er sich mit dem Thema zu beschäftigen, ahnend, dass es genau genommen andere Faktoren sind, die eine schöne Beleuchtung ausmachen. Davon ausgehend, dass schönes Licht entsprechende Stimmungen auslöst, fand Beisse heraus, wie ein Raum beleuchtet werden sollte, damit er Gemütsverfassungen positiv beeinflusst. Seine Erkenntnisse fasst er in dem fünf Punkte umfassenden Konzept „emotional lighting“ zusammen.

Positiv empfundenes Licht

Positiv empfundenes Licht

Dabei geht es zunächst um die Intensität von Kontrasten und Farben. „Wenn viele Kontraste vorhanden sind, nehmen wir das positiv auf. Und je mehr gesättigte Farben wir in einer Situation wahrnehmen, desto angenehmer ist sie für uns“ erklärt Beisse. Im Fall der Farbintensität bedeutet das: „Wenn viele Farben in einem Vorhang verwoben sind, die ein gesamtes Farbbild mit verschiedenen Nuancen ergeben, empfinden wir das als positiv. Wir können die Reichhaltigkeit der Farben registrieren, weil wir die Möglichkeit haben, das Material in vollem Umfang wahrzunehmen“, so Beisse. Voraussetzung ist, dass eine Leuchte alle Farben aussendet, damit diese reflektiert werden können.

Negativ empfundenes Licht

Negativ empfundenes Licht

Auch die Sichtbarkeit des Lichts ist ein Punkt des Konzepts. „Wir können Licht nur dort als positiv oder negativ empfinden, wo wir es auch sehen.“ Ein Vorhang, der in der Vertikalen und somit im Blickfeld ist, kann also mittels Beleuchtung entsprechend in Szene gesetzt werde. „Es geht also darum, wo ich sitze oder stehe und wohin ich dann schaue“, sagt Beisse.
Das individuelle Helligkeitsbedürfnis ist der vierte Punkt, denn ein jeder erlebt Lichtmengen abhängig von Jahreszeiten und seinem persönlichen Tagesrhythmus. Und schließlich geht es darum, dass Licht nicht blenden darf. Dazu Beisse: „Menschen haben manchmal das Gefühl, sie möchten einen Ort verlassen, weil sie ihn atmosphärisch nicht ertragen. Dahinter kann ein Blendungsproblem stecken.“

Bar La Terrazza in Nürnberg: Beleuchtung beeinflusst Stimmungen

Bar La Terrazza in Nürnberg: Beleuchtung beeinflusst Stimmungen

Mehr als 120 öffentliche und private Projekte hat Beisse nach diesen Erkenntnissen umgesetzt. Dafür entwickelt er Produkte, die kontrastieren können, und Lichttechnik, die ein homogenes Spektrum bietet.
Dank seines Wissens erhielt der Designer eine Einladung der Universität Mailand, die „emotional lighting“ in den Lehrplan des Istituto Europeo di Design aufnehmen möchte. Hier scheint man Beisses These zuzustimmen, die besagt: „Wenn ein Raum ausreichend beleuchtet ist, bedeutet das noch lange nicht, dass sich Menschen darin wohlfühlen.“
Bildquellen:
Bild 1,2,3 und 4 © bernd beisse design.

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