Experte: Virtuelle und reale Welt werden eins!

Virtual Reality: Unser Gehirn unterscheidet noch nicht zwischen beiden Wirklichkeiten.

Virtual Reality & Co sind schon lange keine Science Fiction mehr. Wir fragen uns jedoch, wie real Virtualität werden kann und haben den Virtual-Reality-Experten Prof. Dr. Frank Steinicke von der Universität Hamburg zu einem Interview gebeten.

Finest Interior Award: Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) werden immer bekannter, anwenderfreundlicher und massentauglicher. In welchen Lebensbereichen werden uns diese Technologien in absehbarer Zeit noch überraschen?

Frank Steinicke: Derzeit findet diese Anwendung in erster Linie im Bereich der Unterhaltung und der Spiele Einsatz. Das war auch zu erwarten, da Gamer in der Regel bereits über entsprechende Grafik-Hardware verfügen. Sicherlich werden diese Technologien aber schon sehr bald Anwendungen im Bereich Tourismus, Immobilien, Architektur und Social Media finden.

Inwiefern wird die moderne Technologie unsere Wahrnehmung der Realität beeinflussen?

200.000 Jahre gab es für unser Gehirn im Wesentlich nur die Realität, die der Mensch mit seinen Sinnen wahrgenommen hat. Erst seit wenigen Jahrzehnten haben wir es mit digitalen Medien zu tun und insofern ist es nachvollziehbar, dass unser Gehirn bisher noch nicht gelernt hat, zwischen beiden Wirklichkeiten zu unterscheiden. Daher erleben viele Benutzer von VR-Technologien auch die Illusionen, dass sie die virtuelle Welt als reale Welt und die virtuellen Ereignisse als tatsächlich passierte Ereignisse wahrnehmen.

Werden Menschen mit VR-Brillen bald zum alltäglichen deutschen Stadtbild gehören? Wie schnell wird der Wandel vollzogen sein?

Die derzeitigen Brillen sind noch deutlich zu klobig und unkomfortabel, als dass sie Menschen im Alltag tragen würden. Wenn diese Brillen aber auf die Größe von Sonnenbrillen reduziert werden können, werden wir sicherlich in den nächsten Jahren mehr und mehr und irgendwann sehr viele Menschen im Alltag mit solchen Brillen sehen.

Die Brillen sind derzeit eher unästhetisch. Sind VR/AR-Kontaktlinsen absolute Science Fiction oder bald Realität?

Es gibt bereits Kontaktlinsen, die virtuelle Informationen darstellen können. Aber die Qualität reicht noch lange nicht, um dem Benutzer komplexe Informationen präsentieren zu können. Auf der anderen Seite haben alle großen Tech-Unternehmen Patente auf solche Technologien angemeldet bzw. erteilt bekommen. Die Ära der Smart Glasses ist also nicht weit entfernt.

Was passiert eigentlich in unserem Gehirn, wenn wir VR nutzen?

Wir verarbeiten die virtuellen Stimuli, z. B. dargestellt auf der VR-Brille, gemeinsam mit den realen Stimuli, z. B. was wir hören. Bei der Integration dieser Stimuli werden dann mal reale oder virtuelle Informationen stärker als zuverlässig gewichtet und als real eingestuft.

In einem Experiment haben Sie selbst 24 Stunden in der virtuellen Realität verbracht. Wenn die Virtualität mit der Realität verschwimmt, kann der Mensch dann überhaupt noch beurteilen, was echt ist?

In vielen Experimenten erleben wir immer wieder, dass Menschen ein sehr hohes Präsenzgefühl in der VR erleben. Auch mir wurde beispielsweise bei einem Sonnenuntergang in der VR kalt, obwohl die Temperatur im Labor konstant war. Trotzdem war mir zu jedem Zeitpunkt klar, dass ich mich in einem Labor befinde und einfach nur die Brille abnehmen muss.

Wie real kann Virtualität werden?

Bereits in wenigen Jahren wird die visuelle Darstellung in der VR eine Qualität erreichen, so dass sich die virtuelle Welt nicht mehr von der realen Welt unterscheiden lassen wird. Das gilt allerdings vor allem für die visuelle Darstellung. Bei der Haptik oder dem Geruchs- oder Geschmackssinn sind wir noch sehr weit davon entfernt.

Zur Person

Frank Steinicke ist Professor für Mensch-Computer-Interaktion am Institut für Informatik an der Universität Hamburg und Experte für Virtual Reality. Er beschäftigt sich mit der menschlichen Wahrnehmung, deren kognitiven und motorischen Fähigkeiten und Einschränkungen in Bezug auf die Interaktionen und Erfahrungen mit computergestützten Realitäten.

Architekten müssen sich rüsten, damit sie auch in Zukunft noch eine Rolle spielen.

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Foto: Steinicke

 

FINEST INTERIOR AWARDDer FINEST INTERIOR AWARD wurde kreiert um die Arbeit von Architekten, Innenarchitekten und feinen Ausstattern zu ehren. Er will dem wachsenden Bedürfnis nach individueller, professioneller Objekteinrichtung Rechnung tragen. Der diesjährige kommunikative Themen-Schwerpunkt des FINEST INTERIOR AWARD ist die Digitalisierung der Realität. Wie wirken sich Virtual Reality und Augmented Reality auf Architektur, Innenarchitektur und Raumausstattung aus? Welche Veränderungen des Berufsbildes sind damit verbunden? Und was haben Konsumenten eigentlich davon? Diesen und weiteren spannenden Fragen geht der FINEST INTEROR AWARD in seinen Gastkommentaren unter dem Motto „What’s real?“ nach.
Der Award wird am Vortag der Heimtextil in Frankfurt verliehen. Während der Heimtextil gibt es im Foyer der Halle 4.0 einen Infostand mit einem Feature zu den Gewinnern.

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Der FINEST INTERIOR AWARD wurde kreiert um die Arbeit von Architekten, Innenarchitekten und feinen Ausstattern zu ehren. Er will dem wachsenden Bedürfnis nach individueller, professioneller Objekteinrichtung Rechnung tragen. Der diesjährige kommunikative Themen-Schwerpunkt des FINEST INTERIOR AWARD ist die Digitalisierung der Realität. Wie wirken sich Virtual Reality und Augmented Reality auf Architektur, Innenarchitektur und Raumausstattung aus? Welche Veränderungen des Berufsbildes sind damit verbunden? Und was haben Konsumenten eigentlich davon? Diesen und weiteren spannenden Fragen geht der FINEST INTEROR AWARD in seinen Gastkommentaren unter dem Motto „What’s real?“ nach.

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