Gütermann: Ein Gespräch über die Schwaben und was die Welt zusammenhält

Gut gewickelt: Gütermann

Der Nähfadenhersteller Gütermann aus dem Schwarzwald präsentiert 2013 erstmals seine Produkte auf der Heimtextil. Ob Garne, Fäden oder Zwirne: Der Nähfaden ist das älteste Verbindungsmaterial der Welt. In dieser Tradition produziert Gütermann seit 1864 die Fäden des Zusammenhaltes. Das Angebot richtet sich sowohl direkt an den Endkunden als auch an die Industrie. Hier liefert Gütermann Nähfäden für alle denkbaren Anwendungen wie Bekleidung, Schuhe, Leder, Möbel und eben auch Heimtextilien. Über den Bereich technischer Textilien wandern die Fäden in die Automobilindustrie und halten dort Airbags oder Polster im Innenraum der Fahrzeuge zusammen. Aber auch  die Luft- und Raumfahrttechnik braucht Fäden. Die Nähfäden aus dem Hause Gütermann sind hauptsächlich aus Polyester.

Ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal des Unternehmens ist die vollstufige Garnherstellung in Deutschland. Von der Spinnerei über die Zwirnerei bis zum Färben, Wickeln und Verpacken: alles „Made in Germany“. Darauf ist man am Unternehmensstammsitz in Gutach im Breisgau zu Recht stolz. Weitere Standorte des Unternehmens befinden sich in Indien, Mexico und Spanien. Gütermann gehört weltweit zu den größten Nähfadenherstellern und liefert seine Produkte in über 80 Länder der Welt. Wir sprachen mit Petra Grathwohl, Global Marketing Director Industry von Gütermann über den Schwarzwälder Eigensinn, die Erwartungen an die Heimtextil und warum „Made in Germany“ ein wichtiges Verkaufsargument ist.

Gütermann stellt erstmals auf der Heimtextil 2013 aus. Was hat das Unternehmen zu diesem Schritt bewegt?

Die Weltwirtschaftskrise der letzten Jahre hat zum Trend des „Cocooning“ geführt: Die Menschen möchten es gerne im eigenen Heim gemütlich und wohnlich haben. Vorhänge, Teppiche, Möbel, Accessoires – das alles hat einen anderen Stellenwert bekommen und die Nachfrage wuchs. Ja, und all diese Produkte müssen schließlich auch zusammen genäht werden. Deshalb haben wir einen größeren Bedarf von Seiten der Industrie festgestellt. Durch unseren Produktionsstandort in Deutschland sind unsere Garne und Fäden schneller am POS als die Ware aus China oder sonstigen Übersee-Ländern. Das ist ein wesentlicher Vorteil, den wir neben unserer großen Materialkompetenz kommunizieren möchten. Als ich die Heimtextil im Januar 2012 besuchte und die Besucherfrequenz beobachtete, war der Entschluss gefasst: Gütermann wird auf dieser Messe seine Kompetenz wirkungsvoll darstellen können. Das Potential auf Seiten der Besucher oder anderer Aussteller ist in jedem Fall gegeben und das Messekonzept hat uns überzeugt. Wir passen sicher gut auf die Heimtextil 2013!

Klingt, als hielten Fasern die Welt zusammen. Die Anwendungsmöglichkeiten von Garn, Zwirn und Faden sind demnach vielseitig?

Wie gesagt, im Bereich der industriellen Anwendungen von Garnen gibt es eigentlich keine Limits. Mit der Division Industry und Techtex decken wir schon den größten Teil dieses Einsatzbereiches von Fäden ab. Das, was wir noch nicht im Portfolio haben, können wir gemeinsam mit unseren Kunden entwickeln. Sie geben die Anwendung vor und wir kreieren den Nähfaden dazu. Der Bereich Forschung und Entwicklung – bei uns Innovation genannt – hat im Betrieb ein eigenes Geschäftsleitungsmitglied. Das macht den Stellenwert deutlich, den Gütermann der Weiterentwicklung und Individualisierung seiner Produkte einräumt. Wir wachsen an den technischen Herausforderungen, die uns die Kunden stellen.

Was wird Gütermann auf der Heimtextil 2013 präsentieren?

Wir kommen mit einem gut abgestimmten Sortiment für Gardinen, Teppichböden und Sonnenschutz. Neu im Programm ist bei uns ein PTFE-Faden, aber mehr möchte ich eigentlich auch noch nicht verraten. Für uns ist es wichtig, das Segment Heimtextilien optimal mit unseren Garnen und Fasern zu bedienen. Robuste Fäden für Sonnenschutz und Markisen bilden einen wichtigen Schwerpunkt. Uns liegt es am Herzen, mit den Kunden die Lösungen für ihre Anforderungen zu finden. Wir möchten, dass unsere Kunden mit unseren Produkten selbst erfolgreich sind. Das ist wohl die Schwarzwälder Mentalität: Wachstum mit dem Kunden, auf lange Sicht geplant, gesund und nachhaltig. Das können wir richtig gut. Mir ist nicht daran gelegen, jetzt einen Auftrag zu bekommen, den ich in drei Wochen nicht mehr habe. Wir möchten langfristig mit unseren Kunden zusammenarbeiten. Diese Tradition der „langen Beziehung“ spiegelt sich auch in der Mitarbeiterschaft von Gütermann: Eine Betriebszugehörigkeit von über 20 Jahren ist keine Seltenheit. Sie sehen, die Schwarzwälder sind treue Menschen – und sie machen gute Garne!

Kerstin Böhning

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