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Der Pure Spiritual-Trend könnte auf den ersten Blick vorgefasste Meinungen über biologische Materialien und erdbasierte Farbstoffe hervorrufen. Doch Pure Spiritual geht viel tiefer: Im Gegensatz zu anderen naturbasierten Trends zeigt er auch wie Technologie zum Wohle des Menschen eingesetzt werden kann. Er verdeutlicht außerdem, welche Möglichkeiten es für jeden Einzelnen gibt, Technologien zu nutzen, die die Natur mit einbeziehen.

Die Vergangenheit mit der Gegenwart in Einklang bringen: Der Trend erinnert an das jüngste Projekt der Künstlerin, das sich ebenfalls mit der natürlichen Welt beschäftigt. „Resurrecting the Sublime“ ist eine kontinuierliche Zusammenarbeit, die „es uns ermöglicht, ausgestorbene Blumen zu riechen, die durch die Kolonialisierung verloren gegangen sind”. Das Projekt wird von der Künstlerin Dr. Alexandra Daisy Ginsberg, der Geruchsforscherin und Künstlerin Sissel Tolaas und dem Team des Biotechnologieunternehmens Ginkgo Bioworks unter der Leitung von Direktorin Dr. Christina Agapakis mit Unterstützung von IFF Inc. umgesetzt. Alles begann mit den Exemplaren von drei Blumen, die im Herbarium der Harvard University gelagert wurden. Aus kleinen extrahierten DNA-Mengen konnte das Gingko-Team Gensequenzen vorhersagen und wiederherstellen – die Sequenzen hatten das Potenzial, Enzyme zu kodieren, die Riechstoff produzieren. So war Tolaas letztendlich in der Lage, in ihrem eigenen Labor mit identischen oder vergleichbaren Geruchsmolekülen die Düfte der Blumen zu rekonstruieren.

Vom Labor zu physischer Form: Das Projekt wurde bereits in Galerien auf der ganzen Welt ausgestellt – von einer Einzelausstellung im Rahmen der Biennale Internationale Design Saint-Étienne über Gruppenausstellungen im Pariser Centre Pompidou bis hin zum Barbican Centre in London. Frühere Präsentationen der Installation bestanden aus einer Vitrine mit Geruchsdiffusion, Kalksteinfelsen und Animationen. Während sich die Grundlagen des Projekts auf das olfaktorische System konzentrierten, spricht die Gesamterfahrung mehrere Sinne an.

Im Kontext der derzeitigen globalen Gespräche über Klimawandel und Nachhaltigkeit fühlt sich „Resurrecting the Sublime“ aktueller an denn je. Können wir jemals wieder Blumen riechen, die vom Menschen ausgerottet wurden? Mit dieser Frage wurde die Kollaboration begonnen. Heute lädt sie das Publikum ein, nicht nur darüber nachzudenken, was wir verloren haben, sondern auch darüber, was wir für die Zukunft bewahren müssen.

Headerfoto: „Resurrecting the Sublime” von Christina Agapakis (Ginkgo Bioworks Inc.), Alexandra Daisy Ginsberg und Sissel Tolaas unterstützt von IFF Inc, mit freundlicher Genehmigung der Harvard University Herbaria © Ginkgo Bioworks, Inc., dem Herbarium des Arnold Arboretums der Harvard University.

Nina Jung

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