Heimtextil Blog der Messe Frankfurt

Von Amsterdam aus übersetzt Designer und Gründer der Phygital Studios, Bastiaan de Nennie, den Maximum Glam-Trend von der Idee in die Realität: Er designt neue textile Formen und druckt in 3D. An der Schnittstelle von Physischem und Digitalen: De Nennie verwendet reale Objekte als „Bausteine“ für neue digitale Formen. Dabei kombiniert er die verschiedenen Medien, um „phygitale“ 3D-Druckkreationen zu erschaffen.

„Der große Unterschied ist: Ich fange bei meiner Arbeit nie damit an, am Computer zu zeichnen. Das gilt auch für dieses Projekt. Alles kommt aus der realen Welt. Ausgangspunkt ist immer etwas 3D-Gescanntes, ein Bild oder echte Textilien. Auf diese Weise erhält man eine völlig andere Formensprache als bei gewöhnlichen digitalen 3D-Designern – welche sich meiner Meinung oftmals so ähnlich sehen, dass man nicht sagen kann, welcher Designer oder welches Studio es gemacht hat.”

Dieser einzigartige Prozess ist in den Videos zu sehen, die De Nennie für die Heimtextil erstellt hat, um Maximum Glam im Vorfeld der Veranstaltung zu präsentieren. „Bei den Filmen handelt es sich um Videos echter Textilien – das kommt nicht oft vor. In den meisten Fällen werden sie am Computer erstellt und versuchen die Realität zu imitieren ­– und das machen sie gut. Aber ich versuche nicht, die Realität zu kopieren; ich nutze sie. Wenn die Kamera nicht die perfekte Auflösung hat oder wenn der 3D-Scan nicht perfekt ist, nutze ich diese Unvollkommenheit, akzeptiere sie. Ich verwende sie als Stilmittel, anstatt zu versuchen, die Realität zu kopieren.”

„Damals, als es noch Zeitungen und Zeitschriften gab, bastelte man Collagen – oder man baute es eben in Photoshop”, fährt er fort. „Tatsächlich mache ich beides: Ich kombiniere 3D-Dateien mit Videos und Fotos – sodass alles in Einem zusammenkommt. Die ganze Arbeit, die ich für die Heimtextil geleistet habe, all diese Welten kommen durch Cut und Paste in echten Textilien aus dem 3D-Scanner zusammen. Alle Techniken werden zu einem großen Phygital, was zugleich der Name meines Studios ist.”

Die vielschichtige Arbeitsweise mit der De Nennie seine Arbeiten erstellt, gleicht den vielen Ebenen des übergreifenden Themas. „In Maximum Glam gibt es einige Unterthemen, und für jedes Unterthema habe ich eine eigene Materialwelt erschaffen”, erklärt De Nennie. „Es ist sehr strukturiert, futuristisch, fast zirkusartig: Flauschige Haare, Schillern, alles in Kombination – gewebt wie kulturelle Textilien. Ich mag diese Unvollkommenheit.“

Wie sieht De Nennie diesen Trend im Kontext des Interieur Wirklichkeit werden?

„Ich würde es mit dem vergleichen, was man auf einem Laufsteg sieht: Die meisten Leute würden es nicht tragen, bis auf die Details. Für Endkonsumenten, die Maximum Glam interpretieren, können das pelzige Texturen oder kantige, starke Details von Einrichtungsgegenständen oder sogar Tapeten sein. Natürlich sollte es keine ganze Wand sein, aber ein Sockel im Zimmer oder die Couch könnte etwas Maximum Glam haben, wie kleine Beine. Auf einer Messe wie der Heimtextil kann man weiter gehen. Für die Endkonsumenten geht es bei Maximum Glam meiner Meinung nach darum, klein anzufangen und wirklich kleine Teile von Innenräumen zu beeinflussen.“

Nina Jung

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