Blog der Heimtextil

Für den Amsterdamer Künstler, Fotografen und Schriftsteller Jan Hoek ist Zusammenarbeit der Schlüssel zum Erfolg. Für seine Arbeiten folgt Hoek seiner Neugierde und erzählt die Geschichten von Personen, die normalerweise ausgeschlossen und übersehen werden.

Von Foam (Amsterdam) über Photoville (New York) bis hin zu Fomu (Antwerpen): Hoeks Arbeiten sind weit gereist. Die Arbeitsbeziehung zwischen Hoek und seinem Kooperationspartner, dem Stylisten und Fotografen Stephen Tayo begann mit einem Fotoauftrag für den New York Times Artikel „Was es in Lagos bedeutet, sich zu kleiden“. Die zwei Künstler interpretieren mit ihrem multidisziplinären Ansatz den Multi Local-Trend.

„Ich versuche immer, neue und gleichberechtigte Kooperationen mit anderen Menschen einzugehen. Am liebsten aus anderen Kulturen“, sagt Hoek. „Ich wurde in Utrecht geboren und ich lebe seit meinem 12. Lebensjahr in Amsterdam. Im Moment ist die niederländische Kreativbranche eine der weißesten, die ich kenne. Wir versuchen, vielfältig und offen zu sein, aber am Ende sind wir es nicht und ich glaube, dass die Niederländer nicht wirklich offen dafür sind, ihre Machtposition zu teilen.“

Der Provokateur und Popstar Charly Boy (geb. Charles Oputa) in seinem Haus in Abuja, Nigeria, fotografiert von Jan Hoek und Stephen Tayo.

Für Hoek wurde dies immer deutlicher, je mehr er außerhalb der Niederlande arbeitete. „Ich sehe den Unterschied in anderen großen Städten. Die Kritik von People of Color hat mich dazu gebracht, meine Arbeitsweise zu ändern und das hat ihr gut getan.“

Dies brachte Hoek dazu nicht nur zu reflektieren wie er arbeitete, sondern auch wessen Geschichten er erzählte. „Als ich mit der New York Times über eine Serie in Nigeria sprach, hatte ich sofort das Gefühl, dass es moralisch nicht in Ordnung ist, dies alleine zu machen“, erklärt er.

Nike Davies-Okundaye, Textildesigner und Galerist, fotografiert von Jan Hoek und Stephen Tayo.

„Ich kenne Lagos, weil ich meine Arbeiten bei Lagos Photo ausgestellt habe, einem der wichtigsten Fotofestivals auf dem afrikanischen Kontinent. Hier habe ich Stephen Tayo getroffen, einen jungen nigerianischen Fotografen: Wir hatten sofort eine Verbindung. Es gibt so viele großartige Fotografen in Nigeria. Trotzdem wird jedes Mal, wenn eine große westliche Medienmarke dort etwas porträtieren möchte, ein westlicher Fotograf eingeflogen. Die New York Times hat mich auch dorthin gebracht – aber ich habe mein Honorar mit Stephen geteilt. Beim nächsten Mal können sie ihn direkt fragen.“

Für die Heimtextil 2020 haben Hoek und Tayo eine Auswahl von Bildern zusammengestellt, die den Multi Local-Trend widerspiegeln. Ihre Arbeit zeigt einen Trend, der Austausch, kreative Integrität und unterschiedliche Identitäten würdigt – um Inklusivität statt Aneignung zu zelebrieren. Werden Lifestyle und Identität also in Zukunft eine größere Rolle in Innenräumen spielen?

„Ich denke, es wäre schön, wenn mehr Menschen auf der Welt mit ihren Häusern so experimentierfreudig sind wie in Lagos – aber ich weiß nicht, ob und wann das passieren wird.”

Laura Schönhardt

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