Der Stoff, aus dem die (Hotel-)Träume sind

Fernab der großen Filmmetropolen betreibt die Schauspielerin Jessica Schwarz zusammen mit ihrer Schwester Sandra in ihrer Heimat Michelstadt erfolgreich ein Designhotel. „Die Träumerei“ bietet in fünf individuell gestalteten Zimmern Ruhe, Entspannung – und jede Menge Textil. Im Interview erzählt Jessica Schwarz von Kindheitserinnerungen, ihrer Liebe zum Interior Design, von Bettwäsche und Tapeten sowie den Herausforderungen der textilen Einrichtung für ihr Hotel.

Denken Sie an Ihre Jugend: Mit welchem Textil verbinden Sie ihre Kindheit?

Mit meiner Kindheit verbinde ich sofort die typische Pumucklbettwäsche. Der Pumuckl durfte damals in keinem deutschen Kinderzimmer fehlen.

Auch der türkisfarbene Teppichboden im typischen 80er- und 90er-Muster kommt mir in Erinnerung. Am meisten denke ich aber an die tolle Fototapete in unserer Küche, die einen Dschungel mit Papageien zeigte. Daher rührt auch meine Leidenschaft für Tapeten.

Und welches Textil erinnert Sie an Ihr Zuhause?

Mit zuhause verbinde ich vor allem Decken und Bettwaren aus Naturfasern. Ich habe schon immer natürliche Textilien wie Cashmere sehr gemocht. Und jetzt haben wir uns zum ersten Mal eine Kamelhaardecke besorgt. Sie fühlt sich fantastisch an, fast wie Seide. Damit hat sich ein ganz neues Lebensgefühl bei mir aufgetan. Selbstverständlich darf auch die Cashmerekuscheldecke für die Couch nicht fehlen.

Wie sieht zuhause Ihr gedeckter Tisch aus?

Ich bin ein Genussmensch und esse sehr gerne. Wenn ich für mehrere Leute koche, schaue ich genau auf den gedeckten Tisch. Meine Gäste müssen einen Aha-Effekt haben, wenn sie sich hinsetzen und auf das Essen warten. Von Bloomingdale‘s habe ich zum Beispiel Leinen-Servietten in gedeckten und pigmentierten Farben gekauft. Blumen, schöne Vasen und die richtige Tischdecke gehören für mich ebenfalls zu einem schön dekorierten Tisch.

Sie sind viel unterwegs. Auf welche Wohntextilien achten Sie persönlich zuerst im Hotelzimmer?

Ganz wichtig sind immer Verdunkelungsvorhänge, da ich viele Nachtdrehs habe. Normalerweise ist aber das Bett das erste, worauf ich achte. Sonst fasse ich alles gerne an. Wenn es eher ein kleineres Hotel ist, dann ist es noch schöner, zum Beispiel ein tolles Kissen zu haben. So etwas zieht mich magisch an.

Sie haben Ihr Hotel mit Hilfe eines Architekten und Designers eingerichtet. Erzählen Sie uns von Ihrer Zusammenarbeit.

Am Anfang des Projektes dachten wir uns oft: Ob das denn klappt? Sandra ist ein absoluter Hotelprofi, gleichzeitig wussten wir, dass wir die Hilfe eines Architekten benötigen. Mit Johannes Müller-Baum hat es großartig funktioniert. Er war sehr offen und sagte uns immer: Ja, das klappt. Die Zusammenarbeit funktionierte fast wie mit einem guten Regisseur. Wir haben uns optimal ergänzt. Er sorgte für die klaren Formen der Einrichtung, gleichzeitig haben Sandra und ich den weichen und runden Einfluss auf die Architektur eingefügt.

Jessica (links) und Sandra Schwarz

Jessica (links) und Sandra Schwarz

Wer entscheidet bei Ihnen über die Einrichtung und textile Ausstattung?

Sandra und ich entscheiden gemeinsam darüber, auch wenn Sandra als Geschäftsführerin die Einrichtung natürlich täglich im Blick hat. Doch auch wenn ich nicht da bin, nehme ich das Hotel immer in Gedanken mit. In jeder fremden Stadt und Straße schaue ich mir die Einrichtung in den Häusern an und hole mir so neue Ideen. Das nordische Design, etwa in Island, hat mich total fasziniert. Und ein weiterer Ort der Inspiration ist für mich Marokko. Berberteppiche und Tadelakt, also alter Kalkputz, können sehr viel bewirken.

Wie wichtig ist Ihnen Nachhaltigkeit bei der Einrichtung?

Die Träumerei arbeitet sehr nachhaltig. Bei unserer Einrichtung beziehen wir auch immer Nachhaltigkeit mit ein. Wir achten auf die Materialien, z.B. die Herkunft der Bio-Baumwolle. Und wir sind auf regionale und Bio-Produkte bedacht. Nachhaltigkeit und Qualität haben für unser Hotel definitiv einen hohen Stellenwert.

Auf welches textile Stück sind Sie in Ihrem Hotel besonders stolz? traeumerei_036

Was ich wahnsinnig mag, ist die türkisfarbene Tapete von Osborn & Little mit silbernen Paradiesvögeln. Wenn morgens die Sonne darauf scheint, fangen die Vögel an zu strahlen und scheinen sich zu bewegen. Emery et Cie aus Belgien produzieren ebenfalls tolle Tapeten. Man muss sich die Zeichnungen auf den Tapeten selber heraussuchen. Wir haben Stunden damit verbracht, die Blüten genau auf die Tapete zu setzen. Diese Tapete habe ich nun auch bei mir privat. Es kann ja schließlich nicht sein, dass mein Hotel immer schön eingerichtet ist, aber mein Zuhause nicht.

Welche Bedeutung hat für Sie eine Fachmesse wie die Heimtextil?

Ohne Messen hätten wir unser Hotel gar nicht aufbauen und einrichten können. Die Formen, Farben und Haptik unserer Hotelausstattung hätte kein einzelner Store erlebbar machen können – und schon gar nicht das Internet! Das schafft nur die Messe. Gerade auf der Heimtextil spielt ja die Haptik eine große Rolle, was für unser Gewerbe sehr wichtig ist. Ich freue mich schon, wenn wir uns auf der Heimtextil viele neue Inspirationen für unsere Zimmer holen.

Außerdem hat die Messe in jeder Richtung und aus allen Ländern etwas zu bieten. Ich denke da an die große Vielfalt in den Hallen: Bettwäsche, Vorhänge und Tapeten aus Frankreich, Belgien, den USA, Indien oder eben Äthiopien. Und natürlich auch die neuesten Trends und Dessins. Ein echter Traum.

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