Konsum-Trend: Wohntextilien stehen hoch im Kurs

Matthias Horx: Gründer Zukunfstsinstitut

Mit der Studie „Märkte der Identität“ will die Heimtextil 2012 einen Ausblick auf die Konsum-Szenarien in der nahen Zukunft geben. „Es gibt viel Raum für Wachstum bei der textilen Gestaltung der eigenen vier Wände“, kommentiert Detlef Braun, Geschäftsführer der Messe Frankfurt GmbH die Ergebnisse. Er bezieht sich dabei auf die Lust der Deutschen, in ihren Wohnraum zu investieren: Der Bedarf an Haus- und Heimtextilien steigt seit der Finanzkrise 2009 wieder an. Die Ausgaben dafür liegen höher als die für Unterhaltungselektronik!Das sind vielversprechende Aussichten für einen dynamischen Start der Wohntextil-Branche im neuen Jahr. Für die Firmen stellt sich die entscheidende Frage: Wo werden Wohn­textilien in den kommenden Jahren neuen Umsatz generieren? Die Zukunftsstudie „Märkte der Identität’ identifizierte im November 2011 auf Basis einer inhaltlichen Trendforschung und einer ergänzenden Online-Umfrage unter deutschen Endverbrauchern fünf Trendfelder:

Das Leben im „dazwischen“ von Wohn- und Arbeitsstätte wird zusehends Realität. Im Third Place Living werden öffentliche Orte zu multifunktionalen Aufenthaltsräumen der mobilen Gesellschaft. Hotels, Flughafen- oder Bahn-Lounges und Verkehrsmittel werden erweiterte Funktionen erhalten. Die Wohnung als heilende Oase, die sich den Bedürfnissen der Bewohner flexibel anpasst und den schnellen Gangwechsel des Alltags abfedert, gewinnt an Bedeutung. Hierbei beginnt sich die Funktion des Heims als „Cocoon“ aufzulösen: Der Individualist von morgen ist gut inte­griert und „vernetzt“ mit Freunden und Familie, virtuell wie physisch, und da benötigt er sein Heim auch als „Social Hub“. Neue Work­styles, mobile Arbeitskulturen, erfordern zusehends fließende Raumanordnungen für das Arbeiten, die Meetingkultur und die Verarbeitung von Wissen. Hier entstehen ganz neue, funktionale Raumkonzepte, die den industriellen Bürobegriff überholen.

Nachhaltiger Konsum wird dem Endverbraucher in Fleisch und Blut übergehen: Reduce, re-use, recycle – neue Produkte haben mehr als ein Leben, und die neuen Möglichkeiten wie auch ethischen Anforderungen verändern unsere Einrichtungskultur. Schon heute kennen wir etwa die Cradle-to-cradle-Philosophie, die zur Entwick­lung von Returnity geführt hat, dem ersten weltweiten Stoff mit flamm­hemmenden Eigenschaften, der komplett wiederverwertet werden kann. Ein marktfähiges Novum, das inzwischen die Kollek­tionen einiger großer Hersteller und Textilverlage ausstattet und die Überlegungen in der Branche bestimmt.

Die große Auswahl an Produkten und Services für das individuelle Einrichten – virtuell erfahrbar im weltweiten Netz – stellt Kunden wie Anbieter gleichermaßen vor eine große Herausforderung. Denn, wenn alles möglich wird, muss die Auswahl Methode haben. Kuratierung mag als neues Paradigma ein Lösungsansatz für den Handel und die designnahen Branchen sein. Denn, so lauten die Ergebnisse der Studie, Menschen, denen wir vertrauen, helfen uns, unser Leben zu gestalten und Angebote zu filtern.

„Wohnen als eine ‚psychologische Selbstverlängerung’ ist kein statischer Zustand, sondern im permanenten Wandel“, erläutert Thomas Huber, Chefredakteur des Zukunftsinstituts (Kelkheim/Ts. und Wien), die Studienergebnisse. „Innovative Funktionalitäten stehen im Fokus des Verbraucherbedarfs. Für diesen Zusatznutzen sind Verbraucher auch bereit, etwas mehr zu zahlen. Wir richten mit der Trendstudie den Blick darauf, was das Individuum daraus in den kommenden Jahren macht.“

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