„Let’s talk about“ auf der Heimtextil 2012: Luxus und Hotel

Vortragsareal „Let’s talk about“ auf der Heimtextil

Was ist Luxus? Eine teure Uhr, ein schickes Auto oder einfach Zeit zu haben, für die wichtigen Dinge im Leben. Über die Definition von Luxus lässt sich trefflich streiten. Aber soll und darf man sich in Zeiten der Krise überhaupt über Luxus unterhalten? Das Vortragsprogramm auf der Heimtextil hatte noch nie Scheu vor kontroversen Themen. Man erinnere sich an das lange verpönte Thema des Ornaments, dem sich das Forum in den vergangenen drei Jahren in all seinen Facetten gewidmet hat. Nun also lud die Zeitschrift AIT gemeinsam mit der Heimtextil zu zwei Vortrags- und Diskussionstagen rund um den Begriff Luxus. Und wie jedes Jahr wurde der Themenbereich mit Architekten, Innenarchitekten, Designern und Künstlern interdisziplinär diskutiert.

Der erste Tag versammelte Experten rund um die Entwicklung und Gestaltung von Hotel- und Gastronomieprojekten. Der Blickwinkel, der hier auf das Thema Luxus geworfen wurde, war so überraschend wie produktiv. Es ging um die Frage, ob Nachhaltigkeit der Luxus der Zukunft ist. Angesichts des allgemeinen Trends zu noch mehr Masse statt Klasse im Hotelgewerbe hat es die Nachhaltigkeit ähnlich schwer wie die Individualität, so der Düsseldorfer Hotel Design Consultant Thomas Kessler. Und gleichzeitig gebe es gerade im Luxussegment Nischen für nachhaltige Konzepte. Diese Prognose unterstützte Wolfram Putz von GRAFT Architekten. Wenn es für die Reichen dieser Welt zum guten Image gehört, Hybridautos zu fahren und Slow Food zu genießen, dann lässt sich dieses Bedürfnis auch auf die Architektur übertragen. Damit das gelingt, braucht es starke Erzählungen, so Putz. Die Gebäude sollen nicht nur grün sein, sondern in ihren Gestaltungselementen davon erzählen. Tue Gutes und rede darüber. Es braucht starke Bilder und Geschichten, um den nachhaltigen Urlaub im nachhaltigen Hotel zu einem Lifestylephänomen zu machen.

Diese Forderung teilte Andreas Martin von der Berliner Hotelforum Management GmBH. Es muss ein Nachfragedruck seitens der Gäste erzeugt werden. Nur so kann Bewegung in die Triade von Investor, Betreiber und Gast gebracht werden. Welcher Immobilienfond wird von sich aus in eine Gebäudetechnik investieren, von der anschließend der Betreiber profitiert? Und welcher Betreiber wird einen höheren Preis für eine Immobilie akzeptieren, wenn der Gast für Nachhaltigkeit nicht extra bezahlen will?

Welche Vielfalt an narrativen Strategien gerade in der Innenarchitektur möglich ist, zeigte Jordan Mozer von Jordan Mozer and Associates aus Chicago. Seine unvergleichlichen Inszenierungen führen die Gäste in fiktive Welten, warum nicht auch in einen Traum von Nachhaltigkeit? Jan Störmer vom Hamburger Büro Störmer Murphy and Partners brachte die Träume wieder zurück in die Realität der europäischen Stadt. Er erinnerte daran, dass urbane Nachhaltigkeit vor allem durch Verdichtung, Durchmischung und Umnutzung besteht.

Der zweite Tag der Veranstaltung „Lets talk about“ erlaubte einen seltenen Einblick in das Luxuswohnsegment. Die Besitzer solcher Anwesen legen in der Regel keinen Wert auf Öffentlichkeit und dementsprechend wenig publiziert sind die Projekte. Für Alexander Brenner vom Stuttgarter Büro Alexander Brenner Architekten liegt wahrer Luxus in der Reduktion auf das Wesentliche. Damit das wirklich stimmig gelingt, bedarf es allerdings einer Reihe luxuriöser Parameter, von hochwertigen Materialien über die perfekte Detaillierung bis zu ausgesuchten Professionisten für die Umsetzung. Das Ergebnis sind Villen, die nicht protzen, sondern eine fast zenbuddhistische Ruhe verströmen.

Es sind die vielen kleinen Details, die den Unterschied machen. Nicht nur Architekten wissen das. Die Filmemacher Dominik und Benjamin Reding von der EYE! WARNING-Filmproduktion erzählten in einer fulminanten Tour de Force durch ihren filmischen Produktionsalltag, wie schwierig es ist, den Geldgebern Qualitätskriterien zu vermitteln. Wie macht man klar, dass scheinbar Gleiches nicht gleich ist? „Luxus der Wirkung“ nennen sie die Freiheit, immer die besten Gestaltungsmittel wählen zu können. Das muss nicht immer teuer sein, meinte Titus Bernhard vom Augsburger Büro Titus Bernhard Architekten. Gerade weil sein Büro in letzter Zeit kostspielige Privatvillen realisiert hat, würde es ihn wieder einmal reizen, räumlichen Luxus mit einfachen Mitteln zu erzeugen. Hier schloss sich mit Hartmut Raiser von Raiser Lopes Architekten/Innenarchitekten in Reutlingen der Kreis zum Vortag. In einer Reise durch die Kulturgeschichte verwies er zunächst auf den Zusammenhang von Luxus und Macht. Aber selbst wenn der heutige Tourismus von den gebauten Zeugen historischer Machtentfaltung profitiert, liegt für ihn der Luxus des 21. Jahrhundert in einer neuen Bescheidenheit. Denn gerade im Elementaren könne sich ein neuer Luxus der Nachhaltigheit entfalten.

Angelika Fitz

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