„Modern Traditions – NatuReally Handlooms“: Sonderschau stellt indische Handwerkskunst vor

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Kalamkari: Indisches Handwerk der Bemalung und Bedruckung von Stoffen.

In Indien sind vielfältige Drucktechniken auf handgewebten Stoffen von alters her weit verbreitet. Diese Kunstform wird seit Generationen sehr wirkungsvoll eingesetzt, um unterschiedliche Traditionen, Sitten und Gebräuche auszudrücken. Leuchtende Farben und schlichte Dessins sorgen für den lebhaften Ethnolook der handbedruckten Stoffe. Im Foyer der Halle 10.3 gibt die Sonderschau „Modern Traditions – NatuReally Handlooms“ Einblick in die traditionelle Handwerkskunst der Textilnation Indien.

Blockdruck ist in den indischen Bundesstaaten Andhra Pradesh (Hyderabad, Machilipatnam, Pedana), Rajasthan (Sanganer, Bagru, Barmer, Pali), Uttar Pradesh (Varanasi), Gujrat (Dhamadka), Madhya Pradesh (Bagh, Ujjain), Maharashtra (Mumbai), Westbengalen (Kolkota), Tamil Nadu (Chennai) und Karnataka (Bangalore) weit verbreitet. Bei dieser Technik wird Farbe oder Tinte vom hölzernen Originalblock auf den Stoff gedruckt. Das Auftragen der Farbe auf den Block und die Übertragung auf den Stoff werden von erfahrenen Spezialisten in reiner Handarbeit ausgeführt. Die ideale Jahreszeit für den Blockdruck sind die trockenen Monate. Höchste Qualität wird nur erreicht, wenn der Block frisch und perfekt zugeschnitten ist. Im Hinblick auf Garntyp, Farben und Webtechniken befolgt das Blockdruck-Verfahren auf jeder Stufe strikte Vorgaben, die von den nakshabandhas (Grafik-Papier-Designern) festgelegt wurden.

Kalamkari: edle Handwerkskunst
Kalamkari ist ein edles und altes Handwerk der Bemalung und Bedruckung von Stoffen. Der Name kommt von Kalam (Feder) und Kari (Arbeit), bedeutet also wörtlich Federarbeit. Diese über 3000 Jahre alte Kunstform kombiniert Handbemalung und Blockdruck mit Pflanzenfarbstoffen und wird in den Familien von einer Generation zur nächsten weitergegeben. Das Handwerk hat seine Ursprünge in Machilipatnam in Andhra Pradesh. Seinen Höhepunkt erreichte Kalamkari im Mittelalter im wohlhabenden Sultanat Golkonda nahe Hyderabad. Die Kunstform wurde von vielen Familien in Andhra Pradesh ausgeübt und findet sich auch jetzt noch in zahlreichen Teilen dieses Bundesstaates. Kalamkari-Muster zieren heute Wohn- und Bekleidungsstoffe. Wichtige Zentren sind Machilipatnam und Srikalahasti (Andhra Pradesh), Nachbildungen entstehen in unterschiedlichen Teilen Indiens.

Der Baumwollstoff wird zuerst in einer Mischung aus flüssigem Kuhmist und Myrobalan getränkt, was bleichend wirkt und Glanz gibt. Eine schwarze Flüssigkeit wird über einen Zeitraum von einem Monat mit vergorenem Jaggery-Zucker und rostigen Eisenstücken angesetzt und dient als Umrissfarbe für das Dessin. Alle Füllfarben sind aus Pflanzenfarbstoffen, die mit verschiedenen natürlichen Bestandteilen wie Alaun und Granatapfel hergestellt werden. Nach dem Auftrag jeder Farbe wird der Stoff in Fließgewässern gewaschen, um das Ausbluten der Farbe zu testen, wobei jeder Stoff bis zu 20 Waschgänge durchläuft.

Informieren Sie sich über Kalamkari und edle Handwerkskünste und besuchen Sie die Sonderschau „Modern Traditions – NatuReally Handlooms“ im Foyer der Halle 10.3 während der Heimtextil 2014.

Stefan Jakob

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