Heimtextil Blog der Messe Frankfurt

Die 50. Heimtextil lieferte starke Impulse für die neue Einrichtungssaison. 63.000 Besucher informierten sich bei den 2.952 Ausstellern auf der weltweit führenden Fachmesse für Wohn- und Objekttextilien über die großen Themen der internationalen Branche. Nachhaltigkeit war dabei das übergeordnete und alles überstrahlende Top-Thema.

Auf der Heimtextil 2020 zogt sich das Thema Nachhaltigkeit über die gesamte Veranstaltung wie ein grüner Faden. Umfangreiche Maßnahmen und Informationen zeigten, wie sich die Materialprozesse für eine bessere Umwelt weltweit verändern und soziale Verantwortung für die beschäftigten Menschen zunimmt. Auch wenn die Zahlen noch nicht stimmen, die Bereitschaft der Verbraucher, für umweltfreundliche Textilien mehr Geld auszugeben noch in den Kinderschuhen steckt, waren Angebot und Nachfrage auf der weltweit größten Fachmesse für Wohn- und Objekttextilien so groß wie noch nie. Langlebigkeit und Second Life beginnen sich in Produkten zu manifestieren.

„Das Umdenken fängt eigentlich erst richtig an“, sagt Martin Auerbach, Hauptgeschäftsführer vom Verband der Deutschen Heimtextilien-Industrie e.V. „Denn um tatsächlich in der Kreislaufwirtschaft anzukommen, müssen wir über die gesamte Wertschöpfungskette denken und handeln. Mehr noch: Bisher stand in der Entwicklung das Produkt an erster Stelle. Um in der Circular Economy anzukommen, müssen wir die bisherigen Fragestellungen umkehren. Diese lauten dann: Wie sieht das optimal kreislaufende Produkt aus? Wie können wir danach die erforderlichen Gebrauchseigenschaften bekommen? Und letztlich: Wie können sich die Hersteller mit ihren Produkten im Markt differenzieren?“

Langfristige Trends haben Zukunft
Auf Besucherseite zeigte sich das große Interesse an nachhaltigen Konzepten auch in der neu eingerichteten „Future Materials Library“ im „Trend Space“ in Halle 3.0. Die Library bot einen spannenden Einblick in nachhaltig produzierte Textilinnovationen. So machte die Kategorie Natural Assets mit Algen und Brennnesseln auf ungenutzte Naturschätze aufmerksam, Living Materials mit heranwachsenden Pilzgeflechten auf gezüchtete Materialien, Biological Byproducts mit Orangenschalen oder Agavenblättern auf landwirtschaftliche Ressourcen. Remade wiederum demonstrierte mit Hilfe von textilen Abfallstoffen deren Wiederverwendungspotenzial.

Der neue Konsument macht den Unterschied
Die Unternehmen erachten das Thema Nachhaltigkeit zunehmend als Chance. Allein die Zahl der nachhaltig agierenden Unternehmen, die sich für den Green Directory mit ihren Zertifikaten bewarben, war zur Heimtextil 2020 mit 259 so hoch wie noch nie. Nachhaltiges Produzieren und Handeln wird zur Konstante und zeigt sich auf der Heimtextil in zahlreichen Facetten: Selbstklebende Design- und Funktionsfolien für ein Second Life von Möbeln und Wänden (Konrad Hornschuch), der Einsatz kompostierbarer Materialien (Alonso Mercader), traditionelle Webwaren aus Upycling-Garnen (The Aviary Studio), zu einhundert Prozent recyclebare, dekorative und FSC-zertifizierte Tapeten mit schimmerndem Digitaldruck (Komar Products). Die spanische Firma Antex ist schon 2007 mit nachhaltigen Produkten gestartet, aber seit zwei bis drei Jahren nimmt die Nachfrage zu: „Der neue Konsument macht den Unterschied.“

Wohndecken aus recycelten Jeans zeigte Biederlack.

Auch bei den Haustextilien sind nachhaltige Ansätze unübersehbar: Wohndecken aus recycelten Jeans, recycelter Baumwolle und PET-Flaschen (HERMANN BIEDERLACK GmbH + Co. KG), nachhaltige Bademäntel und Bettwäsche aus GOTS-zertifizierter Ware in floraler Druckmusterung (ESSENZA HOME), Eco Pillows aus recycelten PET-Flaschen (Trendsetter International), limitierte Serien bunt gestreifter Handtücher aus Restprodukten (Cawö Textil GmbH & Co. KG, zoeppritz since 1828), Bettwäsche mit energiesparendem, ökologischen Finish (Estamparia Textil Adalberto Pinto da Silva), GOTS-zertifizierte Bettwäsche im Vintage Look (M.G. Ekkelboom B.V.), GOTS-zertifizierte Bettwäsche in frischen Dessinierungen (Bierbaum Wohnen GmbH & Co. KG, Irisette GmbH & Co. KG), Plaids aus Öko-Baumwolle und Recycling-Polyester (zoeppritz since 1828). Auch die Verpackung steht im Zeichen von Nachhaltigkeit, wenn Bettwäsche in bedruckten FSC-Kartons geliefert und ein Prozent des Umsatzes gespendet wird (Covers & Co. von ESSENZA HOME), Spannbetttücher mehr Bedeutung durch komplett kompostierbare Kartonagen aus Altpapier erhalten (Adam Matheis GmbH & Co. KG), Bettwäsche zukünftig aus recycelten Garnen, Baby-Wäsche aus Bio-Baumwolle hergestellt wird und anstatt eines Poly-Beutels eine Stoff-Verpackung erhalten (Kayteks) oder Bettdecken einen neuen Markenauftritt in Baumwolle/Leinen-Säckchen haben (f.a.n. Frankenstolz Schlafkomfort H. Neumeyer GmbH & Co. KG). „Bio-Spannbetttücher sind sehr angesagt“, erklärt Aylin Karaca von Kayteks. „Wir verzeichnen zunehmendes Interesse für unsere Babymarke aus Bio-Baumwolle. Bettwäsche aus recycelten Garnen wollen wir zukünftig anbieten. Und wir tendieren zu Stoffverpackungen“. Und Barbara Matheis-Klassen bestätigt: „Wir wollen dem Produkt mehr Bedeutung geben, den Aspekt Nachhaltigkeit angehen und zukünftig alles aus Bio-Baumwolle machen.“

Ökologische Produktion
Die Zukunft der Textilindustrie, die einen starken Impact auf die Umwelt hat, wurde auch im Bereich „Textile Technology“ sichtbar. Denn die Vereinbarkeit von Nachhaltigkeit und Weiterentwicklung ist in der technischen Vorstufe evident. Neben der Automatisierung bietet vor allem die Digitalisierung viele neue Möglichkeiten. Dazu gehören Druckmaschinen, die nicht nur den Energie- und Wasserverbrauch senken, sondern auch schneller sind und mit Tinte auf Wasserbasis mit ökozertifizierten Farbstoffen arbeiten (KIIAN Digital/JK Group). Feinlösliche, hochpigmentierte Farbstoffe für den Digitaldruck sparen pro Kilo Ware bis zu 35 Prozent Energie und bis zu 30 Liter Wasser ein, weil Waschen und Dämpfen entfällt (Itaca Textile). Ein neues Papier für den Transferdruck, das aufgrund seiner Spezialbeschichtung keine Vor- oder Nachbehandlung erfordert, gewährleistet Schnelligkeit und verbesserte Druckqualität (Neenah Coldenhove).

Headerfoto: Textile Future by Trevira CS

Edda Simon

Beitrag teilen