Heimtextil Blog der Messe Frankfurt

David Bowie stürmte mit seinem Song „Life on Mars“ die internationalen Charts und im kanadischen Vancouver gründeten Umwelt-Aktivisten die Non-Profit-Organisation Greenpeace. Zwei Ereignisse aus dem Jahr 1971, das auch für die Interieur-Welt ein spannendes war, denn in Frankfurt am Main ging die erste Heimtextil an den Start. Von Beginn an als Aussteller mit von der Partie war Rasch Textil. Gegründet 1957, bekannt für innovative Tapeten und Dekostoffe in faszinierender Design-, Farb- und Qualitätsvielfalt.

Den Nerv der Zeit trafen diese auch schon vor rund einem halben Jahrhundert. Bestes Beispiel: die wunderbaren Tapeten und Stoffe aus den „Avan’Garde“- und „Maison“- Kollektionen. Knallige Orange-, Pink- und Violett-Töne formieren sich zum unwiderstehlichen Mustermix und entfalten eine Sogwirkung mit Wow-Effekt.

Tapeten und Gardinen aus der „Avan’Garde“-Kollektion.

Zusätzlicher Clou: Schon damals hatte das Unternehmen neben hochwertigen Textil-Tapeten auch Deko-Stoffe im Portfolio. Im Duett, perfekt aufeinander abgestimmt, konnten (und können) so komplette Raumbilder inszeniert werden. Ideale Ergänzung zu dem unerschrockenen Farb-Flash: die weißen Kunststoff-Stühle von Verner Panton. Der kreative Däne, fraglos einer der wichtigsten Design-Protagonisten jener Zeit, schuf u.a. auch die legendäre „Spiegel“-Kantine. Jenes spektakuläre Gesamtkunstwerk (heute zu bestaunen im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe), das der Designer 1969 für den Spiegel-Verlag entwarf. Farbgewaltig und „psychedelisch“ entsprangen Pantons Gestaltungsideen jenem kühnen Designverständnis, das bewusst die Grenzen des Konventionellen sprengte. Für Aufbruch und Avantgarde steht zweifellos auch die gleichnamige Tapete von Rasch Textil.

Typisch für die Zeit, nur sanfter in der Wirkung: die „Maison“-Linie mit unverkennbaren Bezügen zur Flower-Power-Bewegung. Mitte/Ende der 60er Jahre nahm diese ihren Anfang und prägte die Seventies ebenfalls stark. Das unbeschwerte Lebensgefühl der Summer-of-Love-Bewegung enterte die Modewelt und fand seinen Ausdruck in weit flatternden Maxikleidern und zerschlissenen Jeans. Bestickt mit bunten Blumen-Motiven und Peace-Zeichen. Während die unvermeidlichen Pril-Blumen Küchenwände und Kühlschränke schmückten, eroberten Polster, Stoffe und Tapeten im fröhlichen Flower-Look Wohn- und Schlafräume. Von Rasch Textil bereits 1966 passend interpretiert als heiter-verspieltes All-over-Dekor. Unnötig zu erwähnen, dass aktuell Blumen- und Natur-Dessins aller Couleur auf unserer Trend- und Sehnsuchts-Skala einmal mehr fantasievolle Landschaften entstehen lassen.

Heike Gessulat

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