Richtlinien reloaded: Updates bei wesentlichen Textilstandards

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Siegel ihr Kampf um Glaubwürdigkeit und Realisierbarkeit

Das Frühjahr 2014 bringt einige Neuerungen. Nachdem Ende 2013 die Sustainable Apparel Coalition den Higg Index auf die Version 2.0 gehoben hat, stellte am 1. März der Global Organic Textile Standard die Version 4.0 vor. Fairtrade arbeitet ebenfalls an einem Update und der Internationale Verband der Naturtextilwirtschaft hat ein Schuhsiegel präsentiert. Die jüngsten Updates scheinen die Forderungen der Branche, auch im großen Maßstab realisierbare Lösungen anzubieten, umzusetzen.

Nachhaltigkeit ist kein Zustand sondern ein Prozess – wenige Konsumgüterbranchen haben dies in den vergangenen Jahren so zu spüren bekommen wie die Textilindustrie. Kaum ist ein Ziel erreicht, kann man sich sicher sein, dass es in Frage gestellt wird. Es mag Produktmanager geben, denen kontinuierlich neue Forderungen von Multi-Stakeholder- und Verbraucherschutzinitiativen wie ein beschwerlicher Kampf gegen Windmühlen vorkommt, mehr und mehr Unternehmen verstehen die Herausforderung jedoch als Diversifizierungschance.

Auch unter den Standardgebern ist indes ein rechter Wettbewerb darum ausgebrochen, wer den Herstellern die beste Kombination aus Glaubwürdigkeit und Realisierbarkeit anbieten kann. In Deutschland gesellte sich jüngst noch eine öffentlich geführte Debatte über die Einführung eines bislang nicht näher definierten gesetzlichen Textilsiegels hinzu. Die Labels nehmen ebenfalls Einfluss auf diese Entwicklung, indem sie ihre Rahmenbedingungen regelmäßig überarbeiten. In den vergangen Monaten haben einige der Schwergewichte ihre Richtlinien aktualisiert.

Bereits im Dezember 2013 hat die SAC nach 18 monatiger Test- und Weiterentwicklungsphase Version 2.0 des Higg Index veröffentlicht. Ein Web-basiertes Nutzer-Interface ermöglicht Anwendern nun ein Benchmarking, indem die  Nachhaltigkeitsperformance verschiedener Nutzer miteinander vergleichbar wird. Auch den hochaktuellen Themen Social Compliances und Chemikalien-Management sowie der komplexen Produktgruppe Schuhe widmet Version 2.0 des Higg Index viel Aufmerksamkeit.

Die Themen Social Compliance und Chemikalien nehmen auch in dem am 1. März diesen Jahres veröffentlichten Update des GOTS auf Version 4.0 viel Raum ein. So wurde die Relevanz von Sozialkriterien in den Richtlinien massiv aufgewertet und Inputgrenzwerte für Chemikalien überarbeitet oder neu definiert. Wesentliche Neuerung des in einem Multi-Stakeholder-Prozess entwickelten Updates des GOTS ist das Zugeständnis, dass nun bis zu 30 Prozent der Fasern aus Regenerat- und Recyclingquellen stammen dürfen.

Mitglied in der International Working Group des GOTS ist auch der IVN, der selbst zwei eigene, strenge Qualitätszeichen – Naturtextil und Naturleder – vergibt. Für beide Standards wurden im März Appendizes veröffentlicht, die es ermöglichen, nun auch Schuhe, die nach den strikten Richtlinien produziert wurden, mit den Zertifikaten direkt am Produkt kundenwirksam auszuzeichnen.

Fairtrade wird nachziehen. Momentan ist man daran, die Baumwollproduktion in der Zertifizierung von den folgenden Produktionsschritten zu lösen und sich dort ganz auf den Anbau zu konzentrieren. Parallel dazu wird ein sogenanntes Programm-Siegel entwickelt, dass in Zukunft für die nachgelagerten Teile der Wertschöpfungskette gelten wird.

Fest steht, dass Nachhaltigkeit in der Textilbranche auch weiterhin ein Prozess bleiben wird, der immer wieder neue Herausforderungen bereithalten wird. Nun müssen sich die Verantwortlichen entscheiden, ob sie die Angebote konsequenter nutzen oder sich weiterhin hinter nachhaltigen Inselkollektionen verstecken. Es sieht jedenfalls so aus, als wäre eine Konzentration auf einige marktrelevante und lösungsorientierte Siegel zu beobachten. Aus Sicht von Marken und Handel wäre das schon eine Erfolgsmeldung an sich.

www.apparelcoalition.org
www.fairtrade.net
www.global-standard.org
www.naturtextil.com

Jana Kern/Alex Vogt

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