Solange sich der Kunde verlieben will

Andreas Zimmer, geschäftsführender Gesellschafter Zimmer + Rohde und Ado

Andreas Zimmer, geschäftsführender Gesellschafter Zimmer + Rohde und Ado

Der Markt für hochwertige Heimtextilien ist hart umkämpft. Wenige Player rangeln weltweit um Marktanteile, ebenso wie um Neukunden und kompetente Vermarkter. Zimmer + Rohde zählt zu den führenden Textilverlagen Europas und hat mit der Übernahme von Ado vor anderthalb Jahren für Schlagzeilen gesorgt. Wir sprachen mit Inhaber und Geschäftsführer Andreas Zimmer über seine Kollektionen, die textile Zukunft und die Begeisterungsfähigkeit des Endkunden…

Nach Jahren der Billigmacherei sehen Branchenexperten eine Trendwende. Hat Wertigkeit wieder größere Chancen?
Bei Unistoffen, also Produkten, die vergleichbar sind, steht der Preis eher im Fokus. Doch solange der Kunde noch etwas Besonderes will, solange er sich verlieben will, solange gibt es auch Wachstumsmöglichkeiten.

Wird das Wohnen emotionaler? Kommen mehr Textilien zum Einsatz?
Das muss kommen. Schon aus dem ganz einfachen Grund: Ein Raum ohne Textilien schallt. Und Lautstärke empfindet jeder als unangenehm. Das Gleiche gilt fürs Licht. Andererseits gilt mehr denn je: „There is no place like home.“ Die Rahmenbedingungen verändern sich, die Welt wird globaler, hektischer und politisch unsicherer – das alles spricht für mehr Wohnlichkeit im Raum, für mehr Textilien.

Aber kommen nicht weniger Gardinen zum Einsatz, werden die Fenster nicht etwas cleaner und „architektonischer“ gesehen?
Das kommt – wie immer – darauf an. Schauen Sie in die besten Boutique-Hotels der Welt, da finden sie enorm viele Textilien: große Sofas, viele üppige Kissen, Teppiche und Vorhänge, die es kuschelig machen. Allerdings hapert es bei der Übertragung all dieser Dinge ins eigene Heim. Dennoch kann man daran erkennen, dass der Bedarf vorhanden ist. Und die fehlende Umsetzung ins private Heim ist dann wieder eine Frage der richtigen Animation durch den Einzelhandel.
Deshalb unterstützen wir als Zimmer + Rohde als auch mit Ado den Einzelhandel, wo wir nur können: mit Werbung, Marketing, Verkaufsunterstützung am POS und jeder Art von Schulungen.

Ihre Kollektionen sind beeindruckend breit angelegt. Sicher sorgen modische Einflüsse für permanente Wechsel. Aber könnte ein schmaleres Sortiment gerade bei Ado nicht zu höherer Rentabilität führen?
Ja, wir werden uns als Hersteller stärker konzentrieren, die Kollektionen müssen nicht immer so groß sein. Das Spektrum von Zimmer + Rohde ist deutlich größer als bei Ado. Andererseits sind wir weltweit aufgestellt. Wir haben an 20 Standorten Mitarbeiter im Ausland. Sodass wir sehr genau im Bilde sind, dass die Bedürfnisse in den einzelnen Ländern höchst unterschiedlich sind. Und das erfordert diese enorme Breite in der Kollektion, das erschwert die Konzentration. Russische Kunden suchen das Glamouröse, Nordamerikaner schwere Vorhänge mit opulenten klassischen Mustern, Chinesen kaufen nach drei bis vier Jahren neu und deutsche Kunden wollen waschen. Dagegen ist Ado im deutschsprachigen und europäischen Raum positioniert, damit haben wir einen viel konzentrierteren Endkunden vor uns. Zimmer + Rohde ist dagegen viel kreativer aufgestellt und muss deutlich mehr mit Farben und Mustern brillieren.

Welcher ist Ihr stärkster Markt?
Deutschland ist und bleibt der größte Markt, für Ado sowieso, aber auch für Zimmer + Rohde. Überhaupt ist Europa unsere stärkste Absatzregion. Ich bin fest davon überzeugt: Wenn unsere Unternehmen in Europa stark sind, werden wir auch in anderen Teilen der Welt Erfolg haben. Für hochwertige Mode und teure Autos gilt das auch. Wenn es uns gelingt, den europäischen Geschmack zu treffen, dann treffen wir ihn auch in Russland, in China und in Amerika.
Für die Zukunft erwarten wir zusätzliches Wachstum sicherlich in Russland als auch in den arabischen und asiatischen Ländern. Vielleicht schaffen wir auch höhere Marktanteile in den USA.

Schlägt sich die Globalisierung  in den Produkten nieder?
Schon, aber in Summe sind wir nach wie vor europäisch geprägt. Ich bin fest davon überzeugt, dass dieser Kontinent in puncto Design auch in zehn Jahren  weiterhin führend sein wird und die Impulse hier gesetzt werden.

Arnd Ziemer / Rita Breer

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