Teil 1: Der digitale Textildruck: Klasse für die Masse

Farbonfroh und detailreich: Der digitale Textildruck macht's möglich. Copyright: Prof. Hitoshi Ujiie

Farbonfroh und detailreich: Der digitale Textildruck macht’s möglich. Copyright: Prof. Hitoshi Ujiie

Ob Teppiche, Bekleidung, Heimtextilien oder Banner: Ohne textile Druckmethoden wären viele moderne Designs gar nicht realisierbar. Während der Rotationsdruck und Flachdruck seit langem den Markt für bedruckte Textilien dominieren, hat sich still, aber immer lauter werdend eine nachhaltige und hochwertige Alternative für großflächige Textilien entwickelt: der digitale Textildruck. Viele Unternehmen meiden noch die hohen Investitionen in neue Digitaldruckmaschinen – zu Unrecht. Denn wie sich auf der Heimtextil und der parallelen Digital Textile Conference zeigte, bietet die neue Technik ungeahnte Möglichkeiten auch für Hersteller von Heimtextilien. Ein Überblick.

Wer hätte noch vor sechs Jahren gedacht, dass 30.000 Meter digital bedruckte Textilien bereits am nächsten Tag geliefert werden können? Während für die Herstellung damals noch etwa 40 Tage benötigt wurden, entwickelte sich die Digitaltechnik in den letzten Jahren so rasant, dass sie es in Sachen Geschwindigkeit und Qualität längst mit der Druckkonkurrenz aufnehmen kann. Ein weiteres Beispiel: Bei Einführung der Technologie vor 15 Jahren konnte eine Druckmaschine noch 10 m² pro Stunde digital bedrucken. Heute sind es bereits weit über 3.000 m² pro Stunde. Zum Vergleich: Konventionelle Textildruckmaschinen schaffen zwar bis zu 8.000 m² pro Stunde, aber zu Lasten eines größeren Energie- und Wasserverbrauches.

Die Vorteile überwiegen

Digitaldruck und konventionelle Methoden im Vergleich. Copyright: Menderes

Digitaldruck und konventionelle Methoden im Vergleich. Copyright: Menderes Textil

Burak Tan von Menderes Textil zeigte sich in seinem Vortrag auf der Konferenz begeistert von der Technik. Sein Unternehmen stellt in den kommenden Jahren einen Teil seiner Produktion auf den Digitaldruck um. Nicht ohne Grund: Weder bei der Anzahl der Farben noch bei der Maximalzahl der Dimensionen pro Design muss sich der Textildruck beschränken. Auch bei der möglichen Auflösung von 600 dpi kann der traditionelle Textildruck mit rund 150 dpi nicht mithalten. Lediglich ein bis zwei Tage benötigen Digitaldruckmaschinen, um Samples mit einer Geschwindigkeit von etwa 75 m/min zu produzieren – und das bei gleichbleibender Qualität.

Die Druckprozesse im Überblick. Copyright: Menderes Textil

Die Druckprozesse im Überblick. Copyright: Menderes Textil

Vor allem der verkürzte Druckprozess ermöglicht diese schnelle Lieferung, schließlich werden weder Vordrucke noch Raster oder mehrstufige Druckstufen benötigt. Dies führt auch dazu, dass die Technik mit rund einem Drittel der Wassermenge von anderen Textildruckmethoden auskommt. Während also bei konventionellen Druckverfahren ein Großteil des Wasserverbrauchs auf die Reinigung der Raster, Rohre und Walzen entfällt, verbraucht die digitale Technik das meiste Wasser lediglich bei der Druckvor-bereitung. Gleichzeitig tragen viele Farbstoffe bekannte und nachhaltige Gütesiegel wie GOTS, Ecolabel und Oeko-Tex 100.

Digitaldruck: Wo bleibt das Wachstum? 

Aller Vorteile zum Trotz hat sich der Textildruckmarkt bisher kaum verändert, erklärte Branchenexperte Dr. John Provost. China produziert rund ein Drittel der weltweit bedruckten Textilien. Zudem beträgt der Marktanteil des digitalen Textildrucks derzeit nur ein bis zwei Prozent. Zum Vergleich: 65 Prozent entfallen auf den Rotationsdruck, 25 Prozent auf den Flachdruck und der Rest auf handbedruckte Textilien bzw. Transferdruck. Entgegen der Erwartung hat der Digitaldruck konventionelle Druckprozesse also kaum beeinflusst – und das, obwohl sich die Qualität und Geschwindigkeit des Digitaldrucks in den letzten Jahren ja stark verbessert haben.

Statistik

Ein Prozent: So groß ist der Anteil des Digitaldrucks an der gesamten Textildruckindustrie

Doch vor allem Textilländer aus Asien, darunter China, Pakistan und Indien, integrieren die Technik immer stärker in ihre Produktionsprozesse. Und weil auch Hersteller aus Europa und den USA auf Digitaldruck aufmerksam geworden sind, wird zwischen 2012 und 2017 laut Dr. Provost ein Wachstum von jährlich bis zu 25 Prozent erwartet, ganz im Gegensatz zu den konventionellen Druckmethoden (2,5 Prozent). Dadurch wächst der Anteil von Digitaldruck bald auf bis zu fünf Prozent, also voraussichtlich von aktuell 29 Milliarden m² auf bis zu 32 Milliarden m² bis zum Jahr 2017. Dieses Wachstum bezieht zwar laut Dr. Provost nicht die chinesische Produktion mit ein, zeigt aber einen deutlichen Trend sowie eine tiefgreifende Veränderung auf.

Alles in Zukunft nur noch digital? Im Bereich der Heimtextilien ist das durchaus möglich. Morgen dazu mehr.

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