Blog der Heimtextil

Eigentlich wollte Thomas Brencick Priester werden. Doch weil Gottes Wege unergründlich sind, verschlug es den gebürtigen US-Amerikaner in eine bayerische Gemeinde. Dort leitet er seit inzwischen mehr als 30 Jahren eine Druckerei für Heimtextilien und Bekleidung.

In den letzten drei Jahrzehnten steckte Thomas Brencick viel Geld und Zeit in die Entwicklung des digitalen Transferdrucks. Das Ziel seiner Bemühungen: Er will zurück zum Analogdruck. Wie bitte? „Viele sehen beide Druckvarianten in Konkurrenz zueinander“, erklärt Brencick, der seit Ende der 80er-Jahre die Firma Transfertex leitet, eine kleine Textildruckerei, die als eine der ersten mit Transferpapier Motive auch auf Gardinen und Möbelstoffe druckte. Es sei jedoch vielmehr so, erläutert Brencick, dass sich der analoge und der digitale Textildruck ergänzten. Dazu aber müssten Qualität und Optik beider Druckverfahren nahezu identisch sein. Für fotorealistische Transferdrucke aber habe das bisher noch niemand hinbekommen. „Außer uns“, unterstreicht Brencick, der durch Zufall zum Textildruck kam.

Von Chicago nach Kleinostheim
Es war eine Anzeige in einer Regionalzeitung, die seinen Plan, nach dem Philosophie-Studium in St. Louis in die Priesterlehre zu gehen, auf ein anderes Gleis lenkte: Die Chicagoer Eisenbahn sucht Leute, hieß es darin. Brencick ließ dem Zufall freien Lauf. Nach nur kurzer Etappe bei der Eisenbahn wechselte er gemeinsam mit seinem damaligen Chef zu einer Papierdruckerei. Dort errichtete man gerade eine Anlage zur Produktion der Zeitschrift „National Geographic“, schon damals bekannt für ihre spektakulären Naturfotografien.

Der Diplom-Philosoph erlernte in der Zeit nicht nur das Druckereigeschäft, sondern traf auch auf seine zukünftige Freundin, eine Deutsche. Mit ihr ging er Anfang der 80er-Jahre nach München, bewarb sich am deutschen Standort einer kleinen US-Firma, die eben erst vom Baum gefallen war: Apple. Das Unternehmen brachte gerade den ersten Macintosh auf den Markt. „Eine spannende Zeit“, sagt Brencick rückblickend. Doch der Vater seiner Freundin hatte andere Pläne für ihn. Dieser war soeben Teilhaber bei Transfertex im bayerischen Kleinostheim geworden und bat Thomas Brencick, seine Erfahrungen aus der Welt des Hochglanzdrucks mit einzubringen.

Am Anfang war ein Streifen
Da habe er nicht Nein sagen können, erinnert sich Brencick, der 1985 zu Transfertex wechselte – und einen der ersten Macintosh-Rechner mitbrachte. Mit dem machten sich die Textildrucker sogleich daran, digitale Druckvorlagen herzustellen. Zwar galt die Qualität des Analogdrucks als unerreichbar, so Brencick, aber es sei absehbar gewesen, dass sich der Digitaldruck aus Kosten- und Geschwindigkeitsgründen mehr und mehr durchsetzen würde. Es dauerte lange, dann endlich war der erste Entwurf eines digitalen Textildesigns fertig: ein Streifen. „Das klingt reichlich simpel, war aber ein Meilenstein“, betont Brencick.

Zur Weiterentwicklung der digitalen Druckdesigns setzten die Transfertex-Leute auf Workstations des damaligen Computerherstellers Silicon Graphics, mit denen Anfang der 90er auch die Dinosaurier in Steven Spielbergs „Jurassic Park“ zum Leben erweckt wurden. Das in den über 30 Jahren gesammelte Know-how will man bei Transfertex nutzen, um Digitaldrucke für Musterungen künftig in gleicher Qualität zu liefern wie analoge Drucke.

Ronny Eckert

Beitrag teilen