Textile Töne, Trends und Düfte

Anne Marie Commandeur vom Stijlinstituut Amsterdam ist der kreative Kopf hinter dem Heimtextil-Theme-Park. Bereits einige Wochen vor der Messe verrät sie aktuelle Trends und wirft einen Blick in die Zukunft – von Tapeten als Medium bis zu duftenden Stoffen…

Frau Commandeur, welche textilen Trends geben in der Hotellerie den Ton an?
Hotels sind heute mehr denn je gefordert, Gästen intensivere Erfahrungen und neue Wohlfühl-Konzepte zu bieten. Manche Ketten bieten ihnen bereits Massagetherapien, Vitamin-C-Duschen und hochmoderne Luftreiniger an. Aber auch Textilien spielen eine zentrale Rolle. Sie können beispielsweise für eine beruhigende Atmosphäre sorgen und Oberflächen aufweisen, die bessere haptische und akustische Eigenschaften haben. Handtücher und Bettwäsche verströmen behagliche Düfte. Und auch im Spa-Bereich kooperieren Hoteldesigner immer häufiger mit Beleuchtungs- und Textilfirmen. So entstehen beispielsweise Lichtdecken, die eine beruhigende Wirkung auf die Gäste haben. Wir registrieren aber auch ein wachsendes Interesse an Hotelkonzepten, die das Unterhaltungsbedürfnis befriedigen. Das ist nicht uninteressant, denn auch hier können Textilien eine zentrale Rolle einnehmen.

Welche Farbwelten und Muster dürfen wir künftig bei Tapeten, Teppichen & Co. erwarten?
Zusammen mit dem Heimtextil-Trendtable haben wir für das nächste Jahr vier Trendthemen mit speziellen Farbmustern identifiziert. So kommen beim Sensory-Trend zarte, aber auch leicht klinisch-kühl wirkende Farbtöne zum Einsatz. Beim Mixology-Trend spielt eine kontrastreiche Dynamik die Hauptrolle – zusammen mit leuchtend hellen Farben, Schwarz-Weiß und neutralen Farbtönen. Zudem prallen die verschiedensten Kulturen aufeinander: So zieren Textilien beispielsweise Rave- oder afrikanische Ethnomuster. Die Farben des Discovery-Trendthemas sind wiederum dunkel, fast Schwarz, verklärt durch Strukturen, die für noch mehr Schwere und Dichte sorgen. Kombiniert werden sie durch überschwängliches, leuchtendes und leicht schillerndes Silber. Malerisch und romantisch ist der Memory-Trend: Er zeigt sich reich an gesättigten Farbtönen, stilisierten Blumenstillleben und botanischen Zeichnungen des 17. Jahrhunderts.

Bei der Heimtextil 2015 spielen Textilien verbunden mit digitalen Technologien eine große Rolle. Was tut sich auf diesem Gebiet?
Die Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der intelligenten Textilien macht rasante Fortschritte. Gerade im Kontext der tragbaren Computersysteme (Wearable computing) für medizinische und sportliche Anwendungen ergeben sich auch für Innenräume viele Möglichkeiten. Sei es die Freisetzung von Düften, die Integration von Raumbeleuchtungssystemen oder das Kreieren von Klanglandschaften – sie alle lassen sich mit textilen Trägerstoffen realisieren. Textilien werden immer mehr zu Medien, so lautet unser Motto.

Im neuen Heimtextil-Trendbuch „Experience“ (erhältlich unter www.heimtextil.de) heißt es, dass sich Designer vermehrt von der Wellness- und Beauty-Industrie inspirieren lassen. Was muss man sich konkret darunter vorstellen?
Es gibt ein wachsendes Interesse an gesundheitlichen und ganzheitlichen Konzepten. Gäste suchen immer mehr nach Orten, die das körperliche und geistige Wohlbefinden stärken. Von der Beauty-Branche und den Fortschritten in der Bade- und Duschwelt können sich auch Hoteliers einiges abschauen. Sie können zum Beispiel noch mehr über Riten, Behandlungen und Massagen aus dem orientalisch-asiatischen Raum lernen und verstärkt mit Unternehmen aus der Kosmetikbranche zusammenarbeiten. Hoteliers sollten sich definitiv mehr Gedanken über die Bedeutung von Düften und Licht machen.

Wie werden sich Textilien denn in den nächsten Jahren entwickeln?
Sie passen sich den jeweiligen Anforderungen ihrer Umgebung an. Wenn es eine Nachfrage nach musealen, traditionellen und kulturell bedeutenden Umgebungen gibt, werden Textilien sie erfüllen können. Wenn High-Tech gewünscht ist, wird es auch dafür passende Textilien geben. Das Interesse an Textilien wächst rasch. Sie sind vielseitig, haben nur wenig Gewicht, sind flexibel und können komplexe Herausforderungen im Zusammenhang mit knappen Ressourcen, effizientem Engineering und vereinfachter Logistik lösen.

Verraten Sie uns zum Schluss, welches Designhotel Sie in letzter Zeit beeindruckt hat?
Da möchte ich mich nicht auf eines festlegen – es gibt so viele tolle Designhotels. Zusammen mit dem Einzelhandel ist es für mich der Markt, wo sich die spannendsten Entwicklungen abzeichnen. Es findet eine faszinierende Revolution statt, die uns jede Woche wundervolle neue Konzepte bringt. Wenn ich geschäftlich unterwegs bin, bin ich praktisch orientiert und entscheide völlig rational, wo ich übernachte. Und wenn ich privat auf Reisen bin, schlafe ich am liebsten in unserem De-Waard-Zelt, in dem unsere sechsköpfige Familie schon seit 20 Jahren die Sommerferien verbringt.

Natascha Ziltz

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