Was Wände wollen

Tapeten im Showroom des Deutschen Tapeteninstituts

Tapeten im Showroom des Deutschen Tapeteninstituts

Die Deutschen wohnen wieder bunter

Vor fast 150 Jahren erfand der Apotheker Hugo Erfurt die Raufasertapete. Ganz in weiß war sie in den vergangenen Jahrzehnten der Deutschen liebstes Wandgestaltungsmittel. Aber die Zeiten ändern sich: „Seit drei oder vier Jahren geht der Trend eindeutig zu Farbe und Muster“, sagt Karsten Brandt, Geschäftsführer des Deutschen Tapeteninstituts.

„Aus der Mode kommen wird die weiße Wand sicher nie, denn in weiß steckt eine Welt voller Emotionen“, meint Heiko Trimpel, Marketingleiter bei Alpina Farben, und fährt fort: „Unübersehbar ist jedoch der neue Mut zur Farbe. Die Möglichkeiten beim Anstrich sind grenzenlos.“

 

Aufwändiger Handsiebdruck aus der Kollektion 'Art Borders by Werner Berges'

Aufwändiger Handsiebdruck aus der Kollektion 'Art Borders by Werner Berges'

Für besondere Akzente und raffinierte Muster reichen Farbe und Pinsel jedoch nicht immer aus. In diesem Fall heißt die Lösung im öfter: Tapete. „Gewagte Töne, großflächige und florale Designs sind angesagt. Tapeten werden genutzt, um bei der Raumgestaltung bewusst Akzente zu setzen“, erklärt Brandt. Und Jens Klotmann, Geschäftsführer bei der Graham & Brown GmbH Deutschland, erläutert: „Mit einer Tapete kann man einem Raum auf ganz einfache Art ein völlig neues Gesicht geben oder auch nur einen frischen Akzent setzen – wie zum Beispiel mit einer so genannten ‚Feature Wall’.“ Das bedeutet: nur eine Wand mit einer Tapete besonders betonen.

Um zu zeigen, wie tapezierte Wände aussehen können, hat das Deutsche Tapeteninstitut im November 2008 in Hamburg einen Showroom eröffnet. Fünf wohnlich gestaltete Kuben, eine Präsentationswand und viele Tapetenbücher gewähren Einblicke in die Welt der Wanddekoration. Viele der 6.000 vorliegenden Muster befinden sich heutzutage allerdings nicht mehr auf Papier.

 

Keine Metallwand, sondern Tapete mit Effekt

Keine Metallwand, sondern Tapete mit Effekt

„Ganz hoch im Kurs steht die Vliestapete. Sie hat inzwischen die Papiertapete abgelöst und einen Marktanteil von mehr als 50 Prozent. Die Papiertapete liegt nur bei rund 30 Prozent. Die restlichen Marktanteile teilen sich Struktur- und Textiltapeten“, so Brandt. Vor allem die einfache Handhabung macht das Trägermaterial Vlies so erfolgreich. Der Kleister kommt direkt auf die Wand, gefolgt von der Tapetenbahn, die sich schließlich irgendwann in einem Stück wieder von der Wand abreißen lässt.

Bereits vor fast 20 Jahren brachte die Marburger Tapetenfabrik eine Tapete mit Vliesträger auf den Markt, fünf Jahre später folgte dann eine ganze Kollektion. Auch das britische Unternehmen Graham & Brown, das sich auf den Weg gemacht hat, den deutschen Markt zu erobern, bietet in diesem Sektor die unterschiedlichsten Dessins an.

Hierzu und zum Trend allgemein sagt Geschäftsführer Klotmann: „Wir sind von dem enormen Marktpotenzial der Tapete als Lifestyle-Produkt in Deutschland überzeugt. Diese Einschätzung wurde uns von der großen Nachfrage nach unseren Produkten bestätigt.“

 

Bildquellen:
Bild 1, 2 und 3 © Bettina McDowell

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