Blog der Heimtextil

So wie Milliarden von Fasern ein Big Sofa bilden, werden Milliarden Kundenentscheidungen zu Big Data. Doch während beim Sofa klar ist, was man damit tut, gibt Big Data vielen Unternehmen nach wie vor Rätsel auf. Das verschenkt Potential.

Erstmals fanden auf der Heimtextil 2020 die „Textile Technology Talks“ statt. Experten referierten zu Zukunftsthemen der Heimtextilbranche, etwa zur Digitalisierung der Produktion oder den Chancen textiler Produkte in Smart Homes. Auch Dr. Frederik Cloppenburg hatte sich mit seinem Vortrag „Wie aus Big Data der Produktion Big Business wird“ eine zukunftsweisende Thematik ausgesucht. Der Wissenschaftler vom Institut für Textiltechnik an der RWTH Aachen University beleuchtete die massive Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit bei dem Thema.

Künstliche Intelligenz allein reicht nicht
Laut Cloppenburg wünschen sich die meisten Unternehmen Big Data wie folgt: Die Geschäftsführung trifft sich mit Experten, teure Datenspezialisten programmieren eine Software oder eine App und innerhalb kurzer Zeit verdient man viel Geld mit dem Auslesen der Kundendaten. „Doch dann wundern sich alle, dass es komplett schiefgeht“, lässt Cloppenburg den Datentraum platzen. Es gebe leider keine Wunder-Software, die auf magische Weise mühelos die digitalen Zusammenhänge in Geld ummünze.

Wer als Unternehmen die Daten über das Kaufverhalten zur Steigerung der Produktivität nutzen wolle, müsse sich vielmehr fragen: Wie erfasst man die Daten der Kunden überhaupt? Wie wertet man sie aus? Welche verwendet man wofür? „Künstliche ohne natürliche Intelligenz ist wertlos“, mahnt RWTH-Wissenschaftler Cloppenburg. Beachte man jedoch diese Grundregel, könne Big Data enorm zur Optimierung der Produktion beitragen, zum Beispiel, um Trends vorherzusagen oder individualisierte Produkte günstiger herzustellen.

Big Datenschutz beachten
Wer heutzutage Big Data sagt, sollte „Big Datenschutz“ gleich mitdenken. Ein Beispiel dafür ist die Shopping-App des Möbelherstellers Ikea. Diese liefert ihren Nutzern täglich Einrichtungsvorschläge, basierend auf Vorlieben und Klick-Verhalten. Mit jedem favorisierten Möbelstück und „für später“ gespeicherten Produkt personalisiert sich die Suche nach Sofa, Sessel und Co. Dabei will der schwedische Möbelgigant die künstliche Intelligenz nicht zum alleinigen Maßstab erklären. „Datenschutz ist uns sehr wichtig“, sagt Barbara Martin Coppola, Chief Digital Officer der Ikea-Gruppe. Praktisch umgesetzt bedeutet das: Die Nutzer sollen selbst entscheiden, welche und wie viele Daten sie beim Stöbern und Suchen mit dem Konzern teilen wollen. Auch können Käufer wählen, wie lange sie ihre Nutzerdaten speichern lassen wollen. „Wir möchten sicherstellen, dass sich unsere Kunden online so sicher fühlen wie in ihrem Zuhause“, sagt Martin Coppola.

Stefan Jakob

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