Zwei Architekten – ein Museum

Das neue Museum auf der Museumsinsel in Berlin

Das neue Museum auf der Museumsinsel in Berlin

Stüler, Chipperfield und das Neue Museum in Berlin
“Was David Chipperfield hier gelingt, ist eine Verbeugung vor Stüler und eine Hommage an den Klassizismus“, sagt Klaus Wowereit, Berlins regierender Bürgermeister, über die Arbeit des britischen Architekten. ??Wowereit übergab in diesem Frühjahr den Schlüssel an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die als Bauherr fungiert. Es war der erfreuliche Ausgang einer langen Geschichte, die nicht immer schön war. ??Der zweite Weltkrieg hatte erhebliche Schäden am Neuen Museum hinterlassen. Erst Mitte der 80er Jahr des vergangenen Jahrhunderts begann der Wiederaufbau. Zum 20jährigen Jubiläum des Mauerfalls öffnet es nun als letztes der fünf Museen auf der Museumsinsel erneut seine Pforten.

Das Vorgefundene in seinem räumlichen Zusammenhang

Das Vorgefundene in seinem räumlichen Zusammenhang

Die ersten Besucher empfing das von Friedrich August Stüler entworfene Gebäude im Jahr 1859. Aus dem Königlichen Museum, das Stülers Lehrer Karl Friedrich Schinkel erbaut hatte, war zu diesem Zeitpunkt längst das Alte Museum geworden. Und das in mehr als nur einer Hinsicht, denn Stüler setzte neuartige Bauverfahren ein und schrieb somit ein Stück Architekturgeschichte. ??Die Anforderungen bezüglich der Restaurierung waren also immens: Stülers architektonische Vorgaben, der Zustand der Ruine und darüber hinaus die Charta von Venedig, einer internationalen Richtlinie für Denkmalpflege. Die Auffassung Chipperfields hierzu ist eindeutig: „Es geht hier nicht um die Narben der Vergangenheit, sondern um Gedenken und um Geschichte. Es ist wie bei einem Gemälde: Wenn es unvollendet ist und Sie malen es fertig, dann haben Sie kein Original mehr.“

Das Vorgefundene in seinem räumlichen Zusammenhang

Das Vorgefundene in seinem räumlichen Zusammenhang

Das Ergebnis ist entsprechend: Reparierte Fehlstellen bleiben in ihrem Glanz bewusst hinter dem Original zurück. Restaurierung und Wiederherstellung der originalen Raumfolge und des ursprünglichen Volumens durch Neubauteile, die den Altbestand ergänzen, das Verlorene lediglich reflektieren. Der Schönheit des Stülerschen Gebäudes steht die Einfachheit sichtbarer Ziegel und eines speziell entwickelten Betons aus Weißzement und sächsischem Marmor gegenüber. Ergänzte Verzierungen und Ornamente im ursprünglichen Bestand treffen entsprechend auf den Neubaubereich, der ohne Bauzierelemente auskommt. Auch der graue Sonnenschutz und das sandfarbene Leder, mit dem Stühle, Sitzbänke und die Besucherschließfächer in der Garderobe bezogen sind, halten sich farblich zurück. ??Besucher gehen neben historische Böden aus Mosaik, Terrazzo und Marblecement über zeitgemäße Betonwerksteinplatten. In diesen Räumen sind nun das Ägyptische Museum und das Museum für Vor- und Frühgeschichte untergebracht. Sicher werden auch Besucher kommen, die sich die Arbeiten der beiden Architekten anschauen möchten. ??Die fünf Museen auf der Berliner Museumsinsel sind: Altes Museum, Neues Museum, Alte Nationalgalerie, Bode-Museum und Pergamonmuseum. ??Bildquellen:?Bild 1, 2 und 3 © Stiftung?Preußischer Kulturbesitz / Ute Zscharnt für?David Chipperfield

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